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Das Liberland-Projekt ist in aller Munde. Seit ein frecher Tscheche eine Donauinsel an den Staatsgrenzen zwischen Kroatien und Serbien als „Liberland“ ausgerufen hat, haben sich bereits etliche Tausende auf Staatsbürgerschaften beworben und hoffen, dass aus dem Traum bald Realität wird. „Terra nullus“ – ungewolltes Land, das weder Kroatien noch Serbien für sich beanspruchen wollen ist der heutigen Zeit schließlich selten geworden.

 

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass die Utopie eines eigenen, freien Staates in der heutigen Zeit noch umgesetzt werden kann? Selbst wenn es gelingen sollte, welche Zustände muss Liberland machen? Und ist es dann vielleicht nicht doch weiser, seine Energie ins Erreichen persönlicher Freiheit zu stecken statt in ein Projekt mit höchst zweifelhaften Aussichten?

 

Über Liberland habe ich vor 3 Wochen bereits einen Gast-Artikel veröffentlicht, der selbst aus dem Frühjahr stammt. In den vergangenen 4-5 Monaten hat sich dabei einiges im Liberland-Projekt getan. Auch wenn auswärtige Besucher das Projekt als anarchisch-chaotisch beschreiben, scheint mittlerweile eine straffe Führung den Erfolg des Projekts voranzutreiben.

 

 

Dabei gilt es aber zu beachten, dass die Aktivisten das Staatsgebiet noch gar nicht besetzt oder gar bewirtschaftet haben.

 

Probleme machen dabei nämlich vor allem die kroatischen Behörden. Freunde, die bereits vor Ort waren, berichten von sehr interessieren, freundlichen und offenen serbischen Polizisten, auf dessen Seite die Liberland-Aktivisten auch ihr Basislager haben. Einzig allein die Sprachbarriere verhindert größeren Kontakt. Doch wen wundert das? Was machen 30 meist junge Leute mitten im serbischen Niemandsland?

Mit den Kroaten gibt es hingegen Stress. Mit allen Mitteln versuchen kroatische Grenzer die Liberland-Aktivisten von der Bewirtschaftung des Sumpfgebietes abzuhalten, das einmal Liberland werden soll. Das Problem: von serbischer Seite führt der einzige Weg über die Donau, die ungleich dem potentiellen Liberland-Gebiet aber kroatisches Hoheitsgebiet ist. Grenzer patroullieren dort mittlerweile regelmäßig und verhaften jeder der sich an die Überquerung des Flusses wagt. Gleichzeitig ist der Landweg über Kroatien ebenfalls blockiert.

Zwar gelingt es ab und an einigen Aktivisten durch ihre numerische Überlegenheit den Fluss zu überqueren, doch erkaufen sie es mit Verhaftungen ihrer  Mitstreiter. So wurden etwa 2 potentielle Siedler, die die Überquerung unbemerkt gemeistert hatten (und sogar eine Nacht in den Sümpfen verbrachten) am nächsten Morgen bei der Rückkehr auf die serbische Seite von den kroatischen Behörden verhaftet. Während dies für EU-Bürger meist nur einen 1-2 tägigen Gefängnisaufenthalt nach sich zieht, musste etwa ein Brasilianer über einem Monat in einem kroatischen Höllenloch einsitzen.

 

Liberland ist also längst nicht nur Spaß, sondern kann auch bitterer Ernst sein.

 

Dass beide Aspekte zutreffen, können wir unserem Interview mit Niklas Nikolajsen entnehmen, der der Liberland Settlement Association vorsteht. Vielen Dank an dieser Stelle an Niklas, das er sich die Zeit genommen hat den aktuellen Stand des Liberland-Projektes zu teilen!

 

Interview mit Niklas Nikolajsen, Liberland Settlement Association

1. Wie ist die gegenwärtige Situation von Liberland? Wie viele Leute sind vor Ort? Gibt es eine feste Führung oder ist es sehr anarchisch?

Die einzigen Liberländer an Ort und Stelle sind mit der Liberland Settlement Association verbunden, die die Gegend seit April 2015 dauerhaft besetzt. Die LSA hat für gewöhnlich zwischen 20 bis 30 Leute vor Ort.

Die LSA ist eine Vereinigung mit gewähltem Vorstand und hat deshalb eine feste Führung. Genauso hat sie remoteoperierende Mitarbeiter, dauerhafte Mitarbeiter vor Ort und einen Lagerplatz-Boss. Also ja – es gibt eine entsprechend feste Führung.

Allerdings sind die meisten LSA-Leute vor Ort Freiwillige statt Mitarbeiter, was ihre Teilnahme völlig freiwillig macht.

 

2. Gibt es bereits Regierungen, die sich vorstellen können Liberland offizell anzuerkennen?

Ja – mindestens 3 (ein Europäischer). Allerdings denken diese, dass Liberland noch nicht reif genug ist um es sich leisten zu können ihr persönliches Prestige für eine offizielle Unterstützung herzugeben.

 

3. Wie behandeln die Nachbarländer Serbien und Kroatien die Idee und die Menschen? Was könnte Liberland im Falle einer feindlichen Besetzung tun?

Serbien hat kein Problem mit dem Liberland-Projekt – was sie auch offiziell verlautbart haben. Kroatische Behörden versuchen das Liberland-Projekt zu stoppen, indem sie die Gegend blockieren.

Im Falle einer feindlichen Besetzung hätte Liberland niemals die Kraft einen großen Nationalstaat rein militärisch Widerstand zu leisten. Die Friedens-Offiziere Liberlands sind nur befähigt Grenzkontrollen durchzuführen und normale Kriminalität zu verfolgen.

Wir werden daher auf wirtschaftliche Anreize, Allianzen und Diplomatie setzen – genausp wie andere Kleinstaaten wie Luxemburg, Liechtenstein, Monaca usw.

 

4. Ist das Liberland-Projekt seit seinem Anfang realistischer geworden? Was bleibt als größte Herausforderung?

Zuerst sah das Liberland-Projekt sehr aussichtsreich aus. Dann begann es schnell fast unmöglich zu erscheinen. Mittlerweie sieht es wieder vielversprechender aus.

Die größte Herausforderung die nächste Stufe zu erreichen ist dabei eine Verständigung miz den Kroatischen Behörden.

 

5. Welche Art von Leuten sind in Liberland willkommen? Wer ist nicht erwünscht?

Vermutlich werden wir NICHT alleine entscheiden können, wer die Möglichkeit besitzen wird sich in Liberland niederzulassen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Kroatien bzw. die EU verlangen wird, dass Einwanderung über ihre Grenzkontrollen erfolgt, weil sie Liberland als potentielles Schlufploch für illegale Einwanderung und den Zugang von Asylanten in die EU fürchten.

Aus unserer Perspektive ist jeder willkommen, der an die Prinzipien individueller Rechte, Freiwilligkeit und Nicht-Agression glaubt. Eine entsprechend ausreichende Lebensgrundlage sollte vorhanden sein. Falls Platz ein Problem wird, werden die aktiven Unterstützer von Liberland gegenüber Nachzüglern priorisiert.

Praktisch glauben wir, dass nur EU-Bürger und jene mit gültigen Langzeit-Schengen-Visa von kroatischen Behörden erlaubt werden. Das heißt grundsätzlich, dass Liberland vor allem aus EU-Bürgern, Bürger aus Partnerländern und Leute mit entsprechenden Mitteln und persönlichen Wohlstand bevölkert werden wird.

 

6. Sofern möglicherweise anerkannt: wird Liberland Staatsbürgerschaften veräußern und unter welchen Bedingungen?

Im Falle einer Anerkennung wird Liberland Staatsbürgerschaften entsprechend dem Merit-System herausgeben. Dieses leistungsbasierte System bedeutet, dass sich Leute als Staatsbürger bewerben dürfen und nach erfolgter Überprüfung und Bewilligung Leistungspunkte durch den Beitrag von Arbeit, Zeit und Geld ins Liberland-Projekt erwerben können.

Diese können ab einer bestimmten Summe in die Staatsbürgerschaft umgetauscht werden.

 

7. Wird es Steuern geben? Oder werden freiwillige Formen der Regierungsfinanzierung diskutiert (Lotterie, …)? Welche Funktionen wird die Regierung haben?

Es wird zwar keine Steuern im herkömmlichen Sinn (noch Mehrwert-Steuer, Zölle, usw.) geben, aber eine fixe Gebühr, die der Bürger an die Regierung abführen muss. Davon abgesehen überlebt die Regierung von freiwilligen Beiträgen.

Die Regierung wird folgende Funktionen haben: die Regelung Internationaler Beziehungen, die Führung eines Korps von Friedens-Offizieren (Polizei), den Schutz der Grenzen, Gewährung von Einwanderung und Staatsbürgerschaft, Bewahrung des Friedens und anfänglich Landverteilung und urbane Planung.

 

8. Was ist Deine persönliche Motivation Dich für Liberland zu engagieren? Was ist Dein Pfad zur Freiheit wenn das Liberland-Projekt scheitert?

Ich bin motiviert mich in einem Projekt zu engagieren, dass potentiell die Sache der Freiheit vorantreiben und Tausenden von Menschen, Liberländern und ihre Nachbarn, zu Chancen, Frieden, Fortschritt und Wohlstand helfen kann. Und ich hoffe an der Erschaffung von etwas teilzunehmen, dass mich selbst bei Hunderten wenn nicht Tausenden Jahren überleben wird.

Mein Pfad zur Freiheit ist relativ sicher. Ich lebe in Zug, in der Schweiz – ein Ort mit minimaler Regulierung, fast keinen Steuern und großer persönlicher Freiheit.

Aber das heißt nicht, dass ich nicht anderen Menschen beim Genuss solcher Vorzüge zuschauen will.

 

9. Was wären Deine besten Argumente für Menschen sich für Liberland vor Ort einzusetzen?

Freiheit ist niemals gegegeben, sondern muss gewonnen werden. Keine Menge an Blogs und Seminaren wird irgend einen Unterschied machen, weder eine Beteiligung in Partei-Politik oder den so genannten demokratischen Prozess. Wenn Ihr den Wandel beeinflussen wollt, dann macht etwas! Die Welt hat genug Café-Latte-Libertäre!

Oh, und es ist sowohl belohnende Arbeit und großer Spaß 😉

 

10. Welches ist der beste Plan und Weg um Liberland besuchen zu kommen?

Touristen sind jederzeit willkommen Liberland zu besuchen. Weitere Informationen gibt es hier.

 

Das Liberland-Projekt – eine Alternative für „Staatenlose“?

Wie man dem Interview entnehmen kann, hat sich einiges in Liberland getan. Doch inwieweit bleibt Liberland die Alternative, nach der sich so viele Freiheitsfreunde sehnen? Deutlich sieht man, dass das Liberland-Projekt bereits zu vielen Zugeständnissen bereit ist. Libertäre Puristen mögen das bejammern – aber es ist nun mal Realität und tatsächlich kaum anders durchsetzbar.

  • Offene Grenzen? Fehlanzeige.
  • Wirklich Keine Steuern? Fehlanzeige.
  • Minimalstaat? Es könnte minimaler gehen.
  • Staatsbürgerschaft? Muss man sich hart erarbeiten oder potentiell teuer erkaufen.

 

Das soll die Arbeit der Liberland-Aktivisten nicht schmälern. Doch trotzdem fragt sich, was sie schon erreicht haben. Eine interessante Beobachtung,  über die der liberäre Journalist Yael Ossowski nach seiner Odysee nach Liberland geschrieben hat, möchte ich hier in übersetzter Form den Lesern nicht verschweigen (für potentielle Besucher dazu ein wertvoller Erfahrungsbericht).

 

Hätte der Präsident einen neuen Staat ausgerufen, ein Zelt auf dem eigentlichen Territorium aufgestellt und Siedler willkommen geheißen ohne sich von der kroatischen Polizei vertreiben zu lassen, hätte Liberland eine Chance gehabt.

Stattdessen glaubte er an den intellektuellen Kompromiss von Diplomaten und die Garantie der Bewegungsfreiheit zwischen Serbien, Kroatien und Liberland.

Inwieweit Liberland deshalb überhaupt noch eine Chance haben wird bleibt abzuwarten. Viel hängt von der weiteren Reaktion Kroatiens ab, zu dem sich nach jüngsten Auskünften die Beziehungen zu verbessern beginnen.

Aus staatenloser Sicht ist das Projekt hingegen aufgrund seiner Zugeständnisse selbst beim Gelingen austauschbar. Es wird nicht das freiheitliche Mekka sein, in das sofort alle Menschen pilgern können. Das können sie ja gar nicht. Der Zugang bleibt den ohnehin privilegierten Bürgern wohlhabender Nationen vorbehalten.

Aber gerade die können sich bereits heute durch Offshore-Strategien und Perpetual Traveling ein freies Leben schaffen statt auf ein ungewisses Projekt hinzuarbeiten, das ihnen weder Steuerfreiheit, Reisefreiheit oder Regierungsfreiheit gewährt.

Eine Staatsbürgerschaft Liberlands gibt es etwa nur gegen Leistung – also letztlich nicht anders als bisher. Von den kaum vorhandenen Vorzügen eines liberländischen Passes abgesehen (die Visa-Freiheit wird lächerlich sein, was bei Doppelter Staatsbürgerschaft natürlich niemanden interessieren muss) muss man scheinbar sehr viel Zeit, Arbeit oder Geld in die Sache stecken – was man mittels Kauf, Investment oder Aufenthalt im Ziel-Land bereits heute mit sehr viel mehr Vorteilen machen kann.

Und das alles ohne im serbischen Niemandsland zu hausen – mit der Aussicht irgendwann in einen Sumpf umzuziehen.

Doch der Idealismus vieler junger Leute ist stark und das Projekt aller Ehre wert. Es ist verständlich, dass viele Leute nicht nomadisch veranlagt sind und nach Freiheit in  Sesshaftigkeit streben. Liberland könnte ihnen dies potentiell besser ermöglichen als fast jedes andere Land der Welt.

Während Staatenlos die Schaffung persönlicher Freiheit der Schaffung eines Staates vorzieht, möchte ich dem Liberland-Projekt doch alles Gute und baldigen Erfolg wünschen. Die vielen wackeren Aktivisten – insbesondere jene, die kroatische Gefängnisse bereits von innen gesehen haben – hätten es sich verdient. Zumal die Arbeit dann erst anfängt…

Wie siehst Du Liberland? Hättest Du Lust das Ganze einmal zu besuchen? Oder warst Du gar schon dort?

Falls Du nicht ewig auf Liberland warten willst, sondern noch heute den Grundstein zu mehr Freiheit legen willst, lass Dich doch gerne über Deine Möglichkeiten beraten!

Steuerfreiheit und Regulierungsfreiheit inklusive. Weil Dein Leben Dir gehört!

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