Ein Haken für Monaco. Ein Haken für Russland. Zwei Quadratkilometer gegen 17 Millionen, und auf der Länderliste wiegen beide gleich viel.
Falls Du dich jetzt fragst, was für eine Länderliste das sein soll: Es gibt Menschen, so wie mich, die „die Welt sammeln“, wie andere Briefmarken, Schallplatten oder Pokémons. Das Prinzip ist simpel: Du nimmst eine Liste, auf der die Erde in einzelne Gebiete aufgeteilt ist, im einfachsten Fall in die typischen 193 UN-Länder. Warst Du in einem dieser Gebiete, setzt Du einen Haken dahinter. Am Ende steht eine Zahl, und die soll aussagen, wie viel von der Welt Du schon gesehen hast.
Was nach einer Spielerei klingt, ist für viele Vielreisende ein Lebensprojekt. Die prominentesten Plattformen, auf denen man Länder und Regionen „sammeln kann sind bspw. Most Traveled People oder NomadMania. Zweitere zählt mittlerweile über 62.000 Reisende. Der Reiz ist leicht zu verstehen, auch wenn Du selbst nie so reisen würdest. Eine Liste macht aus dem vagen Wunsch, „mehr von der Welt zu sehen“, ein konkretes Ziel. Sie schickt dich an Orte, auf die Du von allein nie gekommen wärst. Und sie beantwortet eine Frage, die sich jeder Reisende irgendwann stellt: Wie viel habe ich eigentlich schon gesehen – auch im Vergleich mit anderen Vielreisenden.
Über die richtige Antwort wird in dieser Szene seit Jahrzehnten gestritten. Mit GREAT1001 legt Christoph Heuermann nun eine neue vor: eine Karte der Erde in 1001 Regionen, die sich am Planeten orientiert statt an Staatsgrenzen. Um zu verstehen, warum das einen Unterschied macht, muss man wissen, was bisher gezählt wird.
Zwei Dinge gehören dazu: Mit der nagelneuen Website inkl. Tracker auf great1001.com hakst Du die Regionen auf Weltkarte und 3D-Globus ab und misst dich in der Rangliste. Auch gibt es ein eigenes Handbuch – dieses stellt Dir alle 1001 Regionen auf 268 Seiten vor. Beides findest Du auch noch weiter unten in diesem Beitrag.
Länder abhaken: Der einfachste Maßstab hat einen Haken
Der typische Einstieg sind wie gesagt fast immer die 193 UN-Länder. Laut einem Bericht von NomadMania hatten Ende 2025 rund 515 Menschen alle davon besucht, beim letzten Land waren sie im Schnitt 53 Jahre alt. Als Maßstab taugt das allerdings wenig. Monaco lässt sich an einem Nachmittag durchlaufen, Russland erstreckt sich über elf Zeitzonen. Beides bleibt ein Haken, und wer ein Wochenende in Moskau verbringt, steht auf dem Papier genauso da wie jemand, der vom Ural bis nach Kamtschatka gereist ist.
Wer diesen Blog liest, sollte da stutzig werden. Hier behandeln wir Staaten seit Jahren als das, was sie sind: Anbieter, die man vergleicht, auswählt und wieder verlässt. Warum sollte dann ausgerechnet ihre Landkarte festlegen, was von der Welt zählt?
Die bisherigen Listen: 330, 1301 oder 1500 Regionen
Die Szene hat das Problem erkannt und feinere Einteilungen gebaut, in denen auch Inseln, Überseegebiete und Provinzen zählen. Daraus sind Plattformen entstanden, auf denen Du gleich mehrere Listen parallel abhakst, von den UN-Staaten bis zu den UNESCO-Welterbestätten. Das Herzstück ist aber immer die Hausliste: die eigene Einteilung der Welt, die sich die Betreiber selbst ausgedacht haben. Die drei bekanntesten:
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- Travelers’ Century Club. Der Klassiker seit 1954 und noch ein reiner Club mit genau einer Liste: 330 Länder und Territorien, Eintritt ab 100 Einträgen.
- Most Traveled People. Seit 2005, mit zwölf Reiselisten. Die Hausliste heißt MTP Regions und zerlegt die Welt in 1500 Einträge, bis hinunter zu einzelnen Felseninseln. Wer oben mitspielen will, zahlt für Charterschiffe schnell fünfstellig, um bei schwerer See auf einen Felsen zu springen.
- NomadMania. Seit 2012, mit Listen von den UN-Staaten über Welterbestätten bis zu abgelegenen Extremzielen. Die Hausliste sind die NomadMania Regions: 1.381 Regionen, stark an Verwaltungsgrenzen orientiert, und nach ihnen sortiert sich standardmäßig die Hauptrangliste.
Alle drei haben die Szene geprägt und viele Reisende weit hinausgebracht. Das Grundproblem bleibt aber: Sie starten bei der politischen Karte und schneiden sie nur feiner. Dann bringt ein Schild an der Autobahn den nächsten Punkt, obwohl links und rechts dieselbe Landschaft liegt. Ganze Wildnisse schrumpfen dagegen auf einen Eintrag, weil sie zufällig in einer einzigen Provinz liegen.
GREAT1001: Erst die Erde, dann die Liste
GREAT1001 dreht die Reihenfolge um. Der Name steht für Geographic Regions, Exclaves and Territories, und die Idee dahinter lautet: Die Grenzen auf der Liste sollen dort verlaufen, wo Du sie vor Ort auch siehst. An Ozeanbecken und Wasserscheiden, an Gebirgskämmen und Wüstenrändern. Die Politik kommt nur dort ins Spiel, wo sie tatsächlich eine eigene Wirklichkeit geschaffen hat. Die 1001 Regionen heißen Kacheln, und sie liegen wie Fliesen lückenlos nebeneinander. Jeder Punkt der Erde gehört zu genau einer Kachel, nichts überschneidet sich, nichts wird doppelt gezählt. Gesammelt wird wie bei jeder anderen Liste: hinreisen, Haken setzen, weiterziehen. Bewusst gewählt ist auch die Zahl. Eine Liste mit rund 300 Einträgen lässt ganze Kontinente auf wenige Punkte schrumpfen, eine mit 1.500 verliert sich in Felsen und Provinzen. 1001 Kacheln reichen für jede große Landschaft und bleiben überschaubar genug, um ein Lebensziel zu sein.
So sieht die Erde in 1001 Kacheln aus
Am schnellsten versteht man das System vor der eigenen Haustür. Deutschland besteht hier nicht aus 16 Bundesländern, sondern aus gut einem Dutzend Kacheln. Helgoland ist eine davon, die Schwäbische und Fränkische Alb eine andere, und Berlin, Rhein-Ruhr, Frankfurt und München stehen als eigene Metropolregionen da.
Russland, eben noch ein einziger Haken in der UN-Liste, bekommt rund 30 Kacheln, vom Baikal über die Kolyma bis nach Kamtschatka. Monaco bleibt eine.
Noch greifbarer wird es an einer ganz normalen Reise. Stell Dir zwei Wochen Italien vor: Mailand, Venedig, die Toskana, Rom und ein Abstecher zum Vesuv. Auf der Länderliste bleibt davon ein einziger Haken, zwei, wenn Du in Rom auch den Petersdom besuchst.
Bei GREAT1001 sind es sechs: Großraum Mailand (207), Poebene und Lagune von Venedig (206), Toskana (209), Großraum Rom (213), Vatikanstadt (214) und der Kampanische Vulkanbogen mit dem Vesuv (215). Für die Dolomiten, Sizilien oder Sardinien müsstest Du wiederkommen, rund ein Dutzend italienische Kacheln sind dann noch offen.
Weltweit landen so Dinge auf der Liste, für die eine Länderliste keinen Platz hat:
- Wasser. 71 Prozent der Erde sind von Wasser bedeckt, deshalb gehören die ersten 40 Kacheln den Ozeanen, Randmeeren, großen Seen und Kanälen. Die Ostsee holst Du Dir auf der Nachtfähre. Für Point Nemo (Kachel 24) musst Du so weit hinaus, dass die Raumstation über Dir oft näher ist als jeder Mensch an Land.
- Flussbecken und Erdplatten. Das Amazonasgebiet zerfällt in seine Flusssysteme, Madagaskar in fünf Naturräume. Die Azoren sind sogar zwei Kacheln, weil Flores und Corvo (179) auf der Nordamerikanischen Platte liegen und der Rest (178) am Treffpunkt der Platten von Eurasien und Afrika.
- Megastädte. 133 Kacheln sind „urbane Inseln“ wie Tokio oder Chongqing, aus ihrem Umland herausgeschnitten. Wer Tokio kennt, hat die Japanischen Alpen noch lange nicht gesehen, also zählen beide getrennt.
- Inseln mit Eigenleben. Rapa Nui oder Sokotra bekommen eine eigene Kachel. Acht meist gesperrte US-Atolle und -Inseln teilen sich dagegen eine.
- Der Himmel. Kachel 42 ist die Kármán-Linie in 100 Kilometern Höhe, die einzige Kachel ohne Boden.
Die Liste beginnt am Nordpol und endet auf Rodrigues, einer Insel im Indischen Ozean. Dazwischen stecken unter anderem 190 Insel-, 148 Gebirgs- und 71 Wüstenkacheln.
Mikrostaaten, Zollfreigebiete, Niemandsland: Die Kacheln für Flaggentheoretiker
Für die Leser dieses Blogs wird es hier besonders spannend. Flaggentheorie heißt, Wohnsitz, Firma, Konto und Pass gezielt über mehrere Länder zu verteilen, statt alles einem einzigen Staat zu überlassen. Wer so denkt, hat ein Auge für die Lücken im System, und GREAT1001 macht aus genau solchen Lücken Reiseziele.
51 Kacheln sind Anomalien, entstanden aus alten Verträgen, Kartenfehlern und purer Sturheit. Einige kennst Du vielleicht schon aus ganz anderen Gründen:
- Monaco (145), Andorra (149), Liechtenstein (196). Mikrostaaten behalten ihre eigene Kachel, auch wenn Du sie in ein paar Stunden durchquert hast.
- Vatikanstadt (214). Der kleinste Staat der Erde, und einer, dessen Staatsbürgerschaft Du nicht durch Geburt bekommst, sondern durch dein Amt.
- Samnaun (197) und Livigno (198). Zollfreie Hochtäler in den Alpen, das eine in der Schweiz, das andere in Italien.
- Büsingen (192) und Campione d’Italia (195). Ein deutsches Dorf im Schweizer Zollgebiet und eine italienische Exklave, die man nur durch die Schweiz erreicht.
- Baarle-Hertog und Baarle-Nassau (125). Rund dreißig belgische und niederländische Enklaven liegen hier ineinander verschachtelt. Die Grenze läuft durch Cafés und Wohnzimmer, und die Haustür entscheidet, zu welchem Land ein Haus gehört.
- Madha und Nahwa (364). Eine omanische Enklave in den Emiraten, darin wieder ein emiratisches Dorf. Wer in Dubai gemeldet ist, hat Kachel 363 sicher und die nächste Nummer als Tagesausflug vor der Tür.
- Bir Tawil (872). Rund 2.060 Quadratkilometer Wüste zwischen Ägypten und Sudan, die keiner der beiden Staaten beansprucht. Das vielleicht staatenloseste Stück Land der Erde, und die Pointe: Für die Anreise brauchst Du eine Genehmigung.
Stiefel statt Stempel: Wann eine Kachel wirklich zählt
Jede Sammlerliste steht und fällt mit einer Frage: Ab wann warst Du wirklich dort? Beim Travelers’ Century Club reicht wie gesagt der Tankstopp. GREAT1001 zieht die Linie dort, wo Du einen Ort tatsächlich erlebt hast, und ein Pass voller Stempel beweist dabei wenig. Am besten zeigt sich das an Beispielen:
| Deine Reise | Zählt das? |
|---|---|
| Umstieg in Doha, ohne das Terminal zu verlassen | Nein |
| Stopover in Doha mit Stadt und Wüste | Ja, Kachel 361: Halbinsel Katar |
| Drink an der Strandbar mit Blick auf die Karibik | Nein |
| Segeltörn durch die Grenadinen | Ja, Kachel 8: Karibisches Meer |
| Linienflug über den Himalaya | Nein |
| Aufstieg zum Kala Patthar mit freier Sicht auf den Everest | Ja, Kachel 398: Hoher Himalaya |
Dahinter stehen vier einfache Regeln. An Land musst Du den Boden betreten und dich dort bewegen, ob zu Fuß, im Auto oder mit einer Übernachtung. Wasserkacheln musst Du auf oder im Wasser durchqueren, der Blick vom Strand reicht nicht. Flughafentransits zählen nur, wenn Du das Terminal verlässt und die Gegend wirklich erlebst.
Die vierte Regel steckt im letzten Beispiel und heißt Sichtregel: Wo ein Ziel gesperrt oder lebensgefährlich ist, reicht es, es vom Boden oder vom Schiff aus klar und ungehindert zu sehen. Du musst also weder auf den Everest noch in eine militärische Sperrzone, und niemand muss für eine Kachel Gesetze brechen oder sein Leben riskieren.
Kontrolliert wird das von niemandem. Keine Kommission prüft Fotos, keine Stelle will Stempel sehen. Du führst deine Liste selbst. Schummeln kannst Du, nur hast Du die Welt dann eben trotzdem nicht gesehen.
352 Kacheln ohne Expedition: Du hast vermutlich längst angefangen
Das alles klingt nach Abenteurern mit Eispickel, aber die Liste ist deutlich breiter. Jede Kachel hat einen Expeditionsgrad von 1 bis 5, der beschreibt, wie aufwendig sie zu erreichen ist. 352 Kacheln tragen Grad 1, sind also jederzeit mit normaler Reiseinfrastruktur erreichbar, darunter Wien, Mallorca, der Schwarzwald, Bangkok und Tokio. Nur 88 tragen Grad 5, etwa der Nordpol, Bir Tawil oder Point Nemo. Wer ein paar Jahre lang ganz normal Urlaub gemacht hat, sitzt also vermutlich schon auf einer ordentlichen Zahl, ohne je von dieser Liste gehört zu haben. Du startest also nicht bei Null.
Dein Kachelstand auf dem 3D-Globus mit great1001.com
Zum Projekt gehört ein eigener Tracker: Auf great1001.com hakst Du deine Kacheln direkt ab und siehst sofort, wo Du stehst. Du startest bei 0 von 1001 als „Initiate Explorer“. Der Rest liegt an Dir.
- Karte und Masterliste. Alle 1001 Kacheln auf Weltkarte und 3D-Globus, filterbar nach Großregion und Status.
- Globale Rangliste. Gesamtwertung und Teilwertungen nach Großregionen, dazu der direkte Vergleich mit anderen im Head-to-Head.
- Archetypen und Radar. Die Seite ordnet dich automatisch einem von sechs Entdecker-Typen zu.
- Scorecard. Deine Bilanz als Passport-Karte im PNG-Format, fertig zum Teilen.
Das Handbuch: Alle 1001 Kacheln auf 268 Seiten
Eine nackte Liste macht niemanden neugierig. Deshalb gibt es zu GREAT1001 auch ein eigenes Handbuch: Es stellt jede der 1001 Kacheln kurz vor, erklärt, warum sie für sich steht, und nennt die Orte und Erlebnisse, die Du dort nicht verpassen solltest.
Dazu kommen Kategorie, Expeditionsgrad und ein Kästchen zum Abhaken. Die Reihenfolge ist selbst eine Route: Nach den Ozeanen und der Antarktis folgt jede Kachel ihrer Nachbarin, bis der Finger einmal um den Globus gewandert ist. Vorne erklären fünf Kapitel die Logik der Karte, hinten folgen eine Checkliste, die Liste in Zahlen und ein Register. Hotels und Busfahrpläne stehen bewusst nicht drin, die veralten schneller, als ein Buch fertig wird.
Du kannst das Handbuch zur GREAT1001 hier kostenlos downloaden.
Zähl nach: Wie viele Kacheln hast Du schon?
Fang mit dem an, was Du schon hast: Buch öffnen, Liste durchgehen, zählen. Die Zahl dürfte dich überraschen, in beide Richtungen. Manches Land schrumpft auf eine einzige Kachel, und die längst vergessene Nachtfähre zählt plötzlich.
Fertig wird damit vielleicht niemand. Kachel 1 verlangt einen Eisbrecher oder Skier, Kachel 42 einen Suborbitalflug. Die 193 UN-Staaten lassen sich mit genug Flugmeilen in wenigen Jahren abhaken, das hier reicht für ein ganzes Leben. Wer dabei Gleichgesinnte sucht, findet sie in der WhatsApp-Community GREAT1001 // Sovereign Explorers: Reisende, die frei denken und die Welt mit eigenen Augen sehen wollen, ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Stuhlkreis. Christoph selbst ist natürlich auch dabei.
Die Welt gehört denen, die sie wirklich betreten. Wir sehen uns da draußen!
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