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Viele Leser stoßen zum ersten Mal auf den Staatenlos-Blog, weil sie sich für das Thema Zweite Staatsbürgerschaft interessieren. Auf zwielichtigen Seiten im Internet werden schließlich allerhand angeblich offizielle Pässe zum Verkauf gegen Bitcoin angepreist.

 

Für bereits 15.000$ könne man einen Zweitpass eines Landes mit hoher Reisefreiheit bekommen, so die Angebote. Praktisch wird man aber entweder gar nichts oder maximal ein gut gefälschtes Dokument bekommen. Spätestens bei der Einreise in andere Staaten kann dies dann sehr schnell zu handfesten Problemen führen.

 

Dass sich solche Angebote weiterhin halten ist auch daraufhin zurückzuführen, dass es seit Jahren gut funktionierende, staatlich legitimierte Programme zur Vergabe der eigenen Staatsbürgerschaft gibt. Bei diesen Economic Citizenship Programmen erwerben geeignete Bewerber die komplette Staatsbürgerschaft eines Landes für eine Schenkung eines hohen Geldbetrages oder ein oft mindestens doppelt so hohes Investment.

 

Economic Citizenship in der Karibik

Ursprünglich kommen diese Programme aus der Karibik, deren kleine Inselnationen sich zusätzliche Einkommensquellen auftun wollten. Seit 1982 ist das etwa der Fall in St. Kitts und Nevis, die mit leichten Änderungen dennoch immer noch an diesem Modell festhalten. Nach dem verheerenden Hurrikan im Herbst 2017 kann man zur Zeit etwa über eine Schenkung von 100.000$ an den nationalen Hurrikan-Wiedererrichtungsfonds sich schnell und unkompliziert den Pass des Landes sichern.

Dieser ermöglicht immerhin Reisefreiheit in über 130 Länder, darunter auch England, die Schengen-Staaten und Russland. Noch vor wenigen Jahren waren auch Kanada und die Vereinigten Staaten visa-frei. Nach der Einreise iranischer Wissenschaftler mit St. Kitts und Nevis Pässen wurde die Einreise jedoch erschwert.

Genauso wie St. Kitts weisen auch die anderen Karibik-Inseln ein ähnliches Maß an Reisefreiheit (120-135 Staaten samt Schengen-Raum) und ähnliche Kosten auf. Für eine Schenkung von 100.000$ ist man etwa auch in den Nationen Dominica oder St. Lucia willkommen, in Antigua und Barbuda sowie Grenada muss man mit etwas mehr rechnen.

In allen Staaten kann zudem auch ein noch höheres Investment erfolgen – meist zwischen 250.000$ und 500.000$ in eng umrissene Anlageformen. Das Geld ist damit nicht weg, positive Renditen sind während der mehrjährigen Haltepflicht aber nicht zu erwarten. Zu beachten ist weiterhin, dass nicht unerhebliche Due Dilligence und Bearbeitungsgebühren anfallen, die oft weitere 25% der geschenkten oder investierten Summe ausmachen können.

 

Teure und günstige Optionen für Staatsbürgerschaft

Es geht freilich sowohl günstiger als auch viel teurer. Den kostengünstigsten legalen Pass kann man von der Inselnation der Komoren im Indischen Ozean erwerben. Dieses arme, muslimische Entwicklungsland bietet mit gerade einmal 37 Staaten visa-freier Einreise jedoch nicht sonderlich viel. Es heißt, die Vereinigte Arabische Emirate habe mit dem kleinen Staat diese Möglichkeit ausgehandelt, um zahlreichen staatenlosen Langzeitresidenten der VAE einen offiziellen Reisepass zu verschaffen, da der VAE-Pass weiterhin ein seltenes Privileg sein solle. Auch weitere Ausländer können die zweite Staatsbürgerschaft für nur 45.000€ erwerben.

Teurer wird es in den europäischen Staaten, bei denen man in Malta ca. 1 Million und in Zypern 2,5 Millionen Euro auf den Tisch legen muss, die als Investment meist die aktuellen ambitionierten Bauprojekte auf den Inseln unterstützen. Auf zukünftige EU-Mitgliedschaft spekulieren kann man auch in Mazedonien oder Moldavien, die ihren Pass für ein Investment ab etwa 400.000€ verkaufen.

Generell ist ein Kommen und Gehen zu beobachten, da viele Staaten ihre Programme oft pausieren und nach einer Zeit wiederaufnehmen.

 

Oft gibt es etwa Proteste aus der Bevölkerung, dass ihre Nationalität und damit Identität gegen Geld verscherbelt werden würde. Wenn sich die Wogen geglättet haben, geht es dann meist trotzdem weiter.

 

Aus diesem Grund kann es aber auch durchaus legitime Programme geben, über die man kaum Informationen im Internet erhält. Leider ist 90% der im Internet kursierenden Informationen über Zweite Staatsbürgerschaften zum Kauf purer Betrug. Die Schwarzen Schafe zu erkennen fällt aber nicht immer leicht.

 

Zweite Staatsbürgerschaft über Investment in Krypto in Vanuatu

Dieser Artikel dreht sich nach der erfolgten kurzen Einführung über Economic Citizenship aber vor allem um das einzige Land, in dem der komplette Einbürgerungsprozess mit Bitcoin bezahlt werden kann. Hierbei handelt es sich derzeit um die einzige Pazifik-Insel mit einer Option auf Economic Citizenship – den Inselstaat Vanuatu.

Vanuatu ist ein traumhaftes Archipel in Polynesien, etwa gleich entfernt von Australien im Westen und Neuseeland im Süden. Das Land besteht aus 83 Inseln und ist Teil des englischen Commonwealth. Vanuatu ist ein Nullsteuerland und komplett autonom, wird also nicht wie üblich in der Region von größeren Nationen wie Neuseeland, Frankreich oder USA verwaltet. Amtssprache der etwa 230.000 Einwohner ist Englisch und Französisch, die Vielfalt mit über 100 Sprachen in Land aber enorm. Die Menschen zählen zu den glücklichsten der Welt nach den Spitzenreitern in Lateinamerika.

Vanuatu bietet seine Staatsbürgerschaft jedoch nicht zum Kauf, sondern nur im Tausch für ein substantielles Investment. Dieses Investment ist in einem Ende 2016 ratifizierten Gesetz geregelt, dass das alte Programm Vanuatus beerbt.

 

Im Zuge des verheerenden Tropensturms Pam in 2015 wurden 41 Staatsbürgerschaften für ca. 5,5 Millionen Euro vergeben, die in die Beseitigung der Schäden des Sturmes flossen. Mittlerweile geht es jedoch eher um eine nachhaltige Entwicklung des Landes durch das Investment statt einer Schenkung.

 

Dieses Investment beträgt 210.000$ für eine Einzelperson und 240.000$ für eine vierköpfige Familie. Neben Kindern können dies auch die eigenen Eltern sein. Das Investment fließt in Vanuatus Regionalentwicklungs-Fonds für eine Haltefrist von 5 Jahren. Ungleich den Karibik-Staaten kann hier mit einer leicht positiven Rendite gerechnet werden, leider sind nähere Informationen dazu nicht öffentlich zugänglich. Neben dem Investment muss man zudem zusätzlich mit etwa 10.000$ an Gebühren pro Kopf für Due Dilligence und den Bearbeitungsprozess rechnen.

 

Bedingungen und Prozess der Economic Citizenship in Vanuatu

Ein Besuch von Vanuatu im Bewerbungsprozess wie auch ein Mindestaufenthalt pro Jahr werden nicht zwingend benötigt – das ganze Programm kann remote abgewickelt werden. Somit ist es auch interessant für diejenigen, die wegen beschränkter Reisefreiheit durch Passentzug gerade irgendwo festsitzen. Die Einbürgerungs-Zeremonie mit Schwur des Eides wird in verschiedenen Weltmetropolen angeboten.

Es sind weder sprachliche Anforderungen zu beachten noch gibt es große Beschränkungen an die bisherige Nationalität der Bewerber. Lediglich Iraner, Iraker, Syrer, Jemeniten und Nordkoreaner sind ausgeschlossen. Willkommen in der Südsee ist sonst jeder, der sich das Investment leisten kann. Es handelt sich um eine Ehren-Staatsbürgerschaft, das heißt politische Betätigung und Wahlrecht in Vanuatu ist ausgeschlossen, sonst ist man Inländern aber gleich gestellt. Die Staatsbürgerschaft kann auf die nächsten Generationen unkompliziert vererbt werden.

Unter Vorlage aller Dokumente und positiver Entscheidung der vanuatischen Regierung ist die durchschnittliche Dauer des Einbürgerungsprozesses 45-60 Tage. Folgende Dokumente muss man mindestens nachweisen:

  • Vermögensnachweis über 250.000 USD auf Konten, Börsen, Immobilien, usw.
  • Ausgefüllte Bewerbungsdokumente
  • Beglaubigte Kopie des Reisepasses und nationalen Ausweises
  • Notarisierung der Heiratsurkunde (falls relevant)
  • Notarisierung eines Polizeilichen Führungszeugnisses
  • Notarisierung einer Geburtsurkunde
  • Gesundheitszeugnis
  • Lebenslauf, Arbeitsreferenzen oder Zeugnisse
  • Jeweils eine Bank- und Charakter-Referenz
  • Passfotos

 

Die Einbürgerung als Staatsbürger Vanuatus führt auch zu einem komplett steuerfreien Wohnsitz im Land und Erhalt eines Reisepasses. Stand 2018 eröffnet Vanuatus Reisepass die visa-freie Einreise in 116 Länder, darunter auch der komplette Schengen-Raum, Großbritannien und Russland. Auch in Asien und Zentralamerika besteht eine hohe Reisefreiheit.

Obwohl Karibik-Inseln im direkten Vergleich leicht besser abschneiden könnten bietet Vanuatu mit der Zahlungsoption Bitcoin ein Alleinstellungsmerkmal. Wer über ein hohes unrealisiertes Vermögen in Krypto-Währungen verfügt, weiß wie schwierig es sein kann, hohe Summen auszucashen. Schließlich sind viele Banken Bitcoin und Co. alles andere als wohlgesonnen. Das geforderte Investment in Fiat-Währung aufzubringen kann so für viele Bitcoin-Besitzer ein Problem werden.

 

Nicht jedoch in Vanuatu. Hier kann die Einzahlung des kompletten Investments wie auch weiteren Bearbeitungsgebühren in Bitcoin erfolgen. Und das – der eventuelle Umtausch in Bitcoin und die Versendung – in ein paar Minuten erledigt.

 

Zweitpass in Vanuatu wirklich über Bitcoin möglich?

In Zeiten des Krypto-Hypes im Herbst 2017 ging die Möglichkeit die Staatsbürgerschaft Vanuatus über Bitcoin zu erwerben wie ein Lauffeuer durch die Presse. Am Ende sah sich die Regierung gezwungen ein Statement abzugeben, dass sie selbst keine Bitcoin akzeptieren würde. Schnell machte sich Enttäuschung bereit und die Medien stürzten sich auf diesen vermeintlichen Hoax.

Tatsächlich akzeptiert die Regierung Vanuatus immer noch keine Krypto-Währungen als Investment. Was viele aber nicht wissen: sie hat offiziell erklärt, Bitcoin-Zahlungen über im Land zugelassene Agenturen explizit zu genehmigen, wenn diese die erhaltenen Bitcoin in die benötigte Fiat-Währung zum Investment umwandeln würden.

So arbeitet Staatenlos denn auch mit der einzigen auf Economic Citizenship spezialisierten Agentur zusammen, die das Einbürgerungsprogramm Vanuatus vollständig per Bitcoin-Zahlung möglich macht. Auch in den am Anfang des Artikels vorgestellten Karibik-Staaten können zumindest die Bearbeitungsgebühren per Bitcoin beglichen werden, die Schenkung oder Investment-Summe muss jedoch auf US-Dollar lauten.

Wer also 220.000 USD in Bitcoin übrig hat (etwa 32 BTC nach Kurs Anfang April 2018), der sollte über eine Staatsbürgerschaft Vanuatus zur Diversifizierung nachdenken. Dabei geht es nicht nur um die Diversifizierung des Vermögens (5 Jahre Festgeld bei leicht positiver Rendite), sondern vor allem um persönliche Absicherung gegenüber seiner bisherigen Nation.

 

Die könnte schließlich auf die Idee kommen die Weltbesteuerung an die Staatsbürgerschaft zu knüpfen oder den noch sehr brauchbaren Reisepass aus verschiedensten Gründen ungültig machen. Gefahren, die man als Staatsbürger eines kleinen Inselstaates weitab von den Krisenherden der Welt nicht fürchten braucht.

 

Bis dahin sollten sich Deutsche und Österreicher aber bewusst sein, dass sie eine zweite Staatsbürgerschaft nur mit erfolgreich beantragter Beibehaltungsgenehmigung beantragen sollten, weil sonst der eigene Pass schnell weg ist. Obwohl Vanuatu die Einbürgerung nicht austauscht, wird über diese in der Offiziellen Gazette der Regierung berichtet, die gerne von Botschaftsmitarbeitern gelesen wird. Bei einer Neubeantragung des deutschen Reisepasses soll es Leuten schon vorgekommen sein, dass ihnen entgegnet wurde gar kein Deutscher mehr zu sein. Auch das weitgehende Fehlen von Botschaften in Vanuatu ist kein Vorteil dahingehend, zuständig ist meist Canberra, Australien.

Da Vanuatu keinerlei Bedenken gegenüber einer mehrfachen Staatsbürgerschaft hegt, ist diese Option aber zumindest für Schweizer und viele andere Nationalitäten direkt interessant. Und natürlich auch für viele Deutsche und Österreicher, die ihre Staatsbürgerschaft aufgeben wollen oder den bei Economic Citizenship eher unwahrscheinlich genehmigten Beibehaltungsantrag stellen möchten.

Auf alle Fälle bietet Vanuatu eine sehr interessante Option, bei dem andere Pazifik-Staaten vielleicht noch folgen werden.

 

Denn die Staatsbürgerschaft entwickelt sich immer mehr zum Luxusgut des 21. Jahrhunderts. Und gerade für kleine Zwergstaaten kann es eine nicht unbeträchtliche Einnahmequelle sein – ganz ohne die Gewalt von Besteuerung.

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