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Die letzten Jahre stand die Mittelmeerinsel Malta eher im Schatten des größeren Verwandten Zypern. Zahlreiche Unternehmer entdeckten die Vorzüge von Firmengründungen und Wohnsitznahme als Non-Dom in Zypern und gaben aus nachvollziehbaren Gründen Zypern den Vorzug vor Malta. Mittlerweile jedoch gibt es wieder mehr Gründe sich mit Malta zu beschäftigen, denen wir in diesem Artikel auf die Spur gehen möchten.

 

Keine Frage – auch Zypern bleibt einer der attraktivsten Wohnsitze in der Europäischen Union. Aber gerade firmentechnisch bietet Malta mittlerweile bessere Möglichkeiten als Zypern. Dabei muss es kein “entweder-oder” sein – ein Zypern-Wohnsitz mit einer Malta-Firma ließe sich ideal kombinieren.

 

Malta wies schon immer den zugleich geringsten und höchsten Körperschaftssteuersatz der Europäischen Union auf. Die effektiven 5% wurden jedoch über ein Steuererstattungsverfahren erkauft, bei denen 35% Liquidität für mindestens 2 Wochen an den Staat gingen. Ohne die richtigen Steuerberater konnte aus den 2 Wochen auch schnell weit über 2 Monate werden – teils gab es die Steuerrückerstattung wohl gar nicht zurück.

Nicht nur aus diesem Grund waren die effektiven 5% Besteuerung in Malta-Firmen nicht sonderlich beliebt. Die Steuerrückerstattung von 30% (im Falle von aktiven Geschäftseinkommen) fließt nämlich nicht zurück an die Firma, sondern die Gesellschafter der Firma persönlich. Das heißt, sie sind an ihrem Steuerwohnsitz mit voller Einkommenssteuer zu versteuern. Für Nutzer des Non-Dom-Regimes in Malta sehr ungünstig, da Inlandseinkommen. Für Gesellschafter in Hochsteuerländern in der EU ebenfalls. Lediglich für Gesellschafter mit Steuerwohnsitz in Steueroasen ließ sich eine einzige Malta-Gesellschaft plausibel führen.

Natürlich gibt es eine Lösung für oben genannte Problematik, aber sie bedingt immer die Einschaltung einer zweiten Gesellschaft und damit entsprechende Mehrkosten. Da die Steuerrückerstattung immer an die Gesellschafter geht, ist eine Muttergesellschaft als Holding die entsprechende Lösung. Relativ schlau hat dabei Malta in Gesetz gegossen, dass eine maltesische Holding die Steuerrückerstattung ihrer Tochterfirmen steuerfrei kassieren kann nach entsprechender Wartezeit. Damit ist das bisher gängige Modell bei Wohnsitz außerhalb Maltas 2 Malta-Firmen zu betreiben. Hier setzt jetzt eine attraktive Verbesserung an.

 

Steuerliche Organschaft in Malta

Seit Mitte 2019 ist es unter bestimmten Bedingungen möglich die Steuererstattung komplett zu vermeiden und direkt nur 5% Körperschaftssteuer zahlen zu müssen. Diese steuerliche Konsolidierung macht Malta wesentlich attraktiver, auch wenn nach wie vor 2 Firmen dazu bestehen müssen. Beide Firmen gehen eine steuerliche Organschaft ein, werden also wie eine einzige Firma steuerlich behandelt. Dafür nötig sind 2 der folgenden Bedingungen:

  • die Muttergesellschaft hält mindestens 95% der Stimmrechte der Tochtergesellschaft
  • der Muttergesellschaft stehen mindestens 95% der Gewinne der Tochtergesellschaft zu
  • der Muttergesellschaft würden mindestens 95% des Vermögens der Tochtergesellschaft zustehen wenn diese aufgelöst werden würde

 

Zusätzlich müssen die Buchhaltungszeiträume beider Firmen übereinstimmen und eine Genehmigung von allen Minderheitsgesellschaftern eingeholt werden. Da beide Firmen als eine fiskale Einheit geführt werden, sind die Buchhaltungs- und Bilanzierungskosten geringer als bei zwei unabhängigen Firmen.

Mit einer effektiven Steuer von 5% hat Malta damit die ohne Umsatz-/Gewinnbeschränkung niedrigste Körperschaftssteuer in einem EU-Land. Da es keine Quellensteuer gibt und auch die Umsatzsteuer mit 18% sehr niedrig ist, sind Malta-Firmen für einen internationalen Einsatz hervorragend geeignet. Spätestens seit internationale Zahlungsdienstleister wie Stripe Malta-Firmen akzeptieren, werden sie damit für Online-Business interessant.

Als ehemalige Kolonien des Vereinigten Königreiches sind sich sonst Malta und Zypern relativ ähnlich. Die Firmenverwaltung folgt nach ähnlichen Maßstäben und Buchhaltungsvorschriften. Eine maltesische Limited benötigt jedoch 1250€ Stammkapital statt nur 1€ wie in Zypern. Beides Euro-Länder ist das Finanzsystem Maltas jedoch wesentlich stabiler und verfügt über besser ausgestattete Banken. Mit nur 40% Staatsschuldenquote ist Malta eines der am wenigsten verschuldeten Länder der EU. Mit 90 Minuten geringerer Flugzeit nach Deutschland als Zypern ist es für all jene, die Substanz aufbauen wollen, oft attraktiver. Englische-Sprachkenntnisse sind in Malta ausgeprägter als in Zypern, wo Englisch auch offiziele Amts- und Verkehrssprache ist. Lediglich Gerichtssprache ist das exotisch anmutende Maltesisch, eine Mischung aus Arabisch, Italienisch und Englisch. Das hat aber durchaus rechtliche Vorteile für die Betreiber von Malta-Firmen, die hier schwer verklagt oder gar abgemahnt werden können.

Zwar sind die Kosten am Finanzplatz Malta etwas höher als in Osteuropa – die Steuerersparnis aber schnell deutlich kräftiger. Zu Zypern sind es immerhin 7,5% Einsparungen bei minimal höheren Kosten.

 

Deshalb kann es durchaus Sinn machen selbst bei Non-Dom Wohnsitz in Zypern sein Business eher über Malta zu betreiben – schon allein wegen der schrecklichen Banken in Zypern.

 

Non-Dom Wohnsitz in Malta

Der Non-Dom-Wohnsitz in Malta ist wiederum eine andere Geschichte und bedarf genauerer Erklärung. Auch hier lässt sich die maltesische Organschaft potentiell nutzen, bedarf aber einer dritten obergeordneten Auslandsholding um die Steuervorteile zu maximieren. Maltas Non-Dom-Regime besteht bereits wesentlich länger als Zyperns und orientiert sich am klassischen Non-Dom-Status Großbritanniens. Auslandseinkommen ist dann steuerfrei, wenn es nicht in Malta verwertet wird. Ungleich Zypern, das Dividenden und Zinsen unabhängig von der Herkunft von der Steuer freistellt, stellt Malta alles Einkommen frei, das keinen Inlandsbezug aufweist. Verwertung in Malta bezieht sich dabei praktisch auf alles Einkommen, mit dem man den Lebensunterhalt in Malta bestreitet.

Vergleichen mit dem ähnlichen Non-Dom-Status in Irland und England hatte Malta lange Zeit die geringsten Restriktionen. Während in UK und Irland eine Steuererklärung des Welteinkommens zu erfolgen hat, muss man in Malta auch weiterhin nur den Teil angeben, den man meint in Malta verwertet zu haben. Verwertung heißt dabei nicht nur Überweisungen nach Malta, sondern potentiell auch Kreditkartenzahlungen- oder abhebungen.

Da dies schwierig kontrollierbar ist und oft missbraucht wurde hat Malta 2018 eine Mindeststeuer für alle festgesetzt, die den Non-Dom-Status nutzen möchten. Fortan müssen 5000€ Mindeststeuer bezahlt werden um Non-Dom in Malta zu sein. Damit ist allerdings ein ordentlicher Betrag abgegolten (ca. 2000€ im Monat), der nach Malta entsprechend eingeführt werden darf um die Lebenshaltungskosten zu decken. Seit der Einführung der Mindeststeuer ist die vorher steuerrechtlich meist unklare Situation solider geworden. Wer nicht gerade ein ausschweifendes Leben auf Malta führt muss sich wenig Gedanken machen auf seinen tatsächlichen Lebensstil in Malta hin kontrolliert zu werden. Jegliches Einkommen, das außerhalb von Malta ausgegeben oder investiert wird, ist dann steuerfrei.

Problematisch beim Firmen-Setup in Malta ist dann nur noch, dass Ausschüttungen aus einer Malta-Firma als zu versteuerndes Inlandseinkommen betrachtet werden. Dem behilft man sich mit der Installation einer ausländischen Muttergesellschaft, die entweder die Steuererstattung und/oder im Falle einer Organschaft die Dividendenzahlung vereinnahmt. Hierfür sind theoretisch alle Arten von Offshore-Firmen möglich, standardmäßig benutzen tut man meist aber englische Limited Partnerships. Auch englische Limiteds sind möglich, weil sie laut Doppelbesteuerungsabkommen keine Körperschafssteuer auf eine Steuerrückerstattung Maltas zahlen müssen.

 

Der Weg über eine Personengesellschaft wird aber meist bevorzugt, da das Einkommen dann direkt ohne formelle Beschlüsse zur weiteren Ausschüttung an Privatkonten außerhalb Maltas verteilt werden kann.

 

Potentiell ist natürlich auch die Nutzung des maltesischen Non-Dom-Status möglich ohne über eine Malta-Firma zu operieren. Malta achtet jedoch auf den Sitz der effektiven Geschäftsführung. Eine substanzlose Briefkastenfirma wird damit allenfalls als Holding für die Steuererstattung anerkannt, aber nicht wenn sie operatives Business ausführt. Wer mit Malta-Wohnsitz eine Auslandsfirma legal betreiben will, sollte also auf eine Mindestsubstanz wie eine Betriebsstätte und einen Treuhand-Geschäftsführer am Firmensitz achten. Dann ist bis auf die 5000€ Mindeststeuer ein potentiell steuerfreies Leben in Malta möglich.

 

Malta ideal für Kapitalanleger

Ungleich zu Zypern gibt es in Malta keinen fixen Mindestaufenthalt um den Non-Dom-Status nutzen zu können. Da Malta auch innerhalb des Schengen-Raums ist, lassen sich trotz Insellage Ein- und Ausreisen weniger gut tracken, beispielsweise gibt es Fähren nach Sizilien. Allerdings setzt Malta offiziell 183 Tage Aufenthalt voraus um mit dem normalen Non-Dom-Status ein Steuerzertifikat zu erhalten.

 

In der Praxis muss man dafür aber nicht unbedingt da sein, sondern nur regelmäßige Kreditkartenzahlungen vor Ort in Malta vorweisen können. Wie man dies mißbrauchen kann sei der Fantasie des Lesers überlassen.

 

Ohnehin ist ein Steuerzertifikat in den seltensten Fällen notwendig, etwa zur Nutzung mancher Vorteile von Doppelbesteuerungsabkommen oder steuerlicher Abmeldung aus oder Rückkehrabsicht ins Heimatland. Da Malta über viele gute DBA verfügt, ist ihre Nutzung für Investoren aber schon interessant, da so Quellensteuern auf Dividenden und Zinsen gesenkt werden können.

Für Investoren ist noch eine andere Regelung im maltesischen Non-Dom-Regime entscheidend: Kapitalerträge, die im Ausland erwirtschaftet werden, können steuerfrei nach Malta überwiesen werden. Diese fallen nicht unter die “Remittance Base” Taxation, sondern sind auch bei Einführung nach Malta steuerfrei.

 

Mit dieser grundsätzlichen Steuerfreiheit auf Kursgewinne, potentiell Dividenden und vielem guten DBAs ist Malta damit ähnlich wie Zypern inbesondere für Wertpapier-Anleger sehr empfehlenswert. Diese können zusätzlich ein wenig bekanntes Sonderprogramm von Malta nutzen, das zwar wesentlich aufwändiger als jenes Zyperns, potentiell aber größere Vorteile bietet.

 

Der HNWI-Status in Malta

Die Rede ist vom High Net Worth Individual Programm für EU-Bürger, das es zudem in einer einfacher erlangbaren Version für Pensionäre gibt. Dieser HNWI-Status hat gegenüber den normalen Non-Dom-Status in Malta eine höhere Pauschalsteuer, bedeutet aber quasi gar keinen Mindestaufenthalt zur Erlangung eines Steuerzertifikates. Selbstverständlich muss aber das Auslösen eines anderen Steuerwohnsitzes vermieden werden, das heißt man sollte sich maximal 183 Tage in einem anderen Land aufhalten. Somit kann man in Malta einen steuerlichen Wohnsitz mit Steueransäßigkeitsbescheinigung begründen ohne da zu sein. Statt einer sozialversicherungspflichtigen Firma wie in Zypern braucht es in Malta dafür eine höhere Pauschalsteuer und eine Immobilie eines gewissen Wertes.

Normalerweise muss man zur Aufnahme als HNWI-Non-Dom eine Wohnung im Wert von 400.000€ kaufen oder von mindestens 20.000€ im Jahr mieten. Diese Wohnung muss als Hauptwohnung gehalten werden, darf also nicht langfristig oder kurzfristig vermietet werden. Sonst gibt es keinerlei Anforderungen an Vermögen oder Einkommen, allerdings einen umfassenden Due Dilligence Check zur Vorgeschichte des Bewerbers. Ferner muss eine für Malta gültige private Krankenversicherung abgeschlossen werden. Zu zahlen ist eine Pauschalsteuer von 20.000€ statt nur 5000€. Für jedes abhängige Familienmitglied fallen weitere 2500€ an.

Der Hauptvorteil neben dem fehlenden Mindestaufenthalt ist eine Flat Tax von 15% auf ins Land gebrachtes Einkommen statt sonst progressiv bis 35%. Dies wird denjenigen, die kaum in Malta Zeit verbringen wollen, aber wenig nützen. Gewissermaßen kann man sich jedoch, wenn man bereit ist 20.000€ Pauschalsteuer und nochmals 20.000€ Miete für eine kaum genutzte Wohnung zu zahlen, einen danach steuerfreien Steuerwohnsitz zu kaufen ohne da zu sein. Wegen der hohen Kosten entscheiden sich die meisten dann jedoch lieber für Zypern mit 2 Monaten Aufenthalt vor Ort. Eine Bewerbung zum HNWI-Programm schlägt mit etwa 6000€ zu Buch.

 

Sonderprogramm für Rentner

Interessanter ist das HNWI-Programm dann schon für EU-Rentner. Hier fällt die Pauschalsteuer nämlich auf passable 7500€, die Mindestmiete beträgt nur noch 9600€ im Jahr (8750€ auf Gozo) bzw. eine Immobilie in Wert von 275.000€. Gerade wenn man dann doch ein paar Wochen im Jahr auf Malta verbringen will ist das ein sehr attraktiver Deal. Allerdings müssen mindestens 75% des Einkommens des Rentners auch tatsächlich aus seiner Pension stammen, nur maximal 25% aus Kapitalerträgen. Damit schränkt sich das Programm schon wieder stark ein. Eine Bewerbung kostet etwa 2500€. Grundsätzlich ist damit der normale Non-Dom-Status, das “Ordinary Residency Scheme” attraktiver.

 

Golden Visa und Staatsbürgerschaft

Die gleichen vorgestellten Programme gibt es übrigens auch für Nicht-EU/EWR-Bürger. Diese brauchen aber natürlich zusätzlich eine Aufenthaltsgenehmigung, die es über ein sogenanntes “Golden Visa” gibt. Ungleich anderen Mittelmeerstaaten müssen dabei nicht zwingend Immobilien gekauft werden. In Malta reicht ein 5-jähriges Investment in Staatsanleihen in Höhe von 250.000€ sowie eine Schenkung von 30.000€. Ferner muss ein Haus gekauft oder gemietet werden. Kosten dafür betragen etwa 40.000€, dafür gibt es aber eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung im gesamten Schengen-Raum und maltesische Staatsbürgerschaft nach 5 Jahren.

Alternativ kann man natürlich gleich die maltesische Staatsbürgerschaft kaufen – dazu ist aber eine Schenkung von 650.000€, ein Investment in Staatsanleihen von 150.000€ und Kauf einer Wohnung von 350.000€ oder eine Mindestmiete von 16.000€ im Jahr nötig. Die Staatsbürgerschaft gibt es zudem erst nach einem Jahr Aufenthalt in Malta. Unter dem HNWI-Programm für Nicht-EU-Bürger müssen zudem 25.000€ Pauschalsteuer bezahlt werden. Viel Geld – aber ein EU-Pass öffnet viele Türen.

 

Alles in allem ist Malta sicher eine Alternative zu Zypern – aber zu welchem Land man sich letztlich entscheidet ist Ansichtssache. Empfehlenswert ist es immer beide dieser ehemaligen britischen Kolonien zu besuchen und sie auf Kompabilität mit den eigenen Wünschen hin zu überprüfen. Dieser Artikel sollte nur eine kleine Übersicht über die aktuellen steuerlichen Sachverhalte geben.