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Unsere Praktikantin Nadine und ihr Freund haben kürzlich das gesamte Einwanderungsverfahren in Paraguay durchlaufen. Und das Interessanteste ist, dass beide – obwohl sie die gleichen Prozesse durchlaufen haben – unterschiedliche Dinge erkannt haben. Staatenlos-Gründer Christoph Heuermann hat die Cedula bereits seit 2017 und wird ebenfalls einige Anmerkungen beisteuern.

Es wird jedenfalls Zeit unserer Staatenlos-Community einen Überblick mit aktuellen Daten von 2022 darüber zu geben, was bei der Einwanderung nach Paraguay zu erwarten ist. Aber wenn Du an der Reihe bist, wirst Du natürlich Deine „dritte“ Version haben – teile sie gerne mit uns!

Dieser Artikel ist aus ihren beiden Perspektiven zusammengesetzt – viel Spaß 😉

low angle photography of beige concrete building under blue sky during daytime

Das wichtigste in Kürze

Was brauche ich, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in Paraguay zu bekommen?

  • Internationale Geburtsurkunde (mit Apostille)
  • Internationales Führungszeugnis (mit Apostille)
  • Gültiger Reisepass
  • 4.562 € (=31.500.000 Guarani) Einlage bei der Nationalbank (bis zur Erteilung der der Cedula) oder Nachweis eines akademischen Grades (mit Apostille)
  • Rest kann vor Ort besorgt werden

 

Unsere Reise des Lebens

Wir sind ein Pärchen aus der Nähe Nürnberg und haben uns diesen Juni (2022) die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für Paraguay geholt. Wir wollen euch hier von unserem Weg zur dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung aus unseren zwei Perspektiven berichten.

Springen wir zurück ganz an den Anfang: wie sind wir überhaupt darauf gekommen, uns die Aufenthaltsgenehmigung von Paraguay zu holen? Nun seien wir mal ehrlich, es sollte am Anfang eigentlich Panama werden. Da unser Ziel, das Bereisen der ganzen Welt ist, wurde uns schnell klar, dass wir das niemals mit nur 5 Wochen Urlaub im Jahr schaffen können. Deshalb entschieden wir uns zum einen dafür, dass unser erster Schritt in die Freiheit das Ergattern eines HomeOffice-Jobs ist und zum anderen, dass wir uns ein erstes Wunschziel aussuchen konnten. 

Die Weltoffenheit, die vielen verschiedenen wunderschönen Orte und der Fakt, dass 4-5 Wochen Urlaub im Jahr viel zu wenig sind, hat uns ermutigt nach Lösungen zu suchen, Urlaub zu seinem Alltag zu machen. Hinzu kommen dann aber noch die negativen Seiten, die von Deutschland ausgehen. Spätestens nach Corona wurde uns klar, wie übergriffig der Staat sein kann und alles dicht machen kann so wie er will, nur weil er medial Panik schürt. Nichts hat der Wahrheit entsprochen, eine Lüge nach der anderen und die Leute machen einfach mit, weil es der einfachste Weg ist. Ich persönliche könnte hier Stunden verbringen, um unsere Gründe aufzuzählen und zu erklären, was genau uns an Deutschland stört. Aber das ist ein anderes Thema, zudem sollte ich mir erstmal ausgiebig ein Bild machen, ob es den woanders besser ist (auch wenn ich jetzt schon davon überzeugt bin, dass man an vielen Orten der Welt besser lebt, als in DE).

 

Anmerkung von Christoph: Es gibt keine günstigere lebenslang gültige Aufenthaltsgenehmigung auf der ganzen Welt. Als passionierter Flaggensammler holt man sich natürlich die Cedula, auch wenn man erstmal wenig mit dem Land zu tun hat. Dass man aktuell nur alle 10 Jahre einreisen muss um sie aktiv zu erhalten macht es zu einem No-Brainer. Dies soll ab 2023 allerdings auf 3 Jahre reduziert werden. Selbst das ist ein einem etwas schwerer erreichbaren Land wie Paraguay aber kaum ein Problem.

 

Auf dem Weg nach Panama

Panama wurde zu unserem ersten Ziel auserwählt. Muss ich wirklich erklären, wieso? Eine atemberaubende Unterwasserwelt, feine Sandstrände und riesengroße Cocktails. Spaß beiseite, der Hauptgrund war tatsächlich die leichten Einreise- bzw. dauerhafte Aufenthaltsbedingungen. Lediglich das Vorhandensein von 5.000 USD auf seinem Bankkonto musste nachgewiesen werden (Friendly Nations Visum). Mit diesem Wissen im Handgepäck machten wir uns auf dem Weg nach Panama, um dort ziemlich schnell zu erfahren, dass sich die Regeln für den längerfristigen Aufenthalt geändert haben. Nun muss man entweder eine Investition in eine Immobilie in Panama (Mindestwert von 200.000 USD) oder 200.000 USD in eine Festgeldanlage bei einer panamaischen Bank stecken oder über ein konkretes Jobangebot in Panama verfügen. Da wir das finanziell nicht stemmen konnten, musste ein anderes Ziel her. 

Angefangen haben wir im Sommer 2021, wo wir nach Panama gereist sind, um uns dort erst einmal umzuschauen, aber mit dem Hintergedanken, hier könnten wir uns die lebenslange Aufenthaltsgenehmigung holen. Tja, das war dann eher nichts. Wir haben am zweiten Abend in Panama mit jemand aus dem Hostel gesprochen, der uns versichert hat, dass die Gesetzte geändert wurden und es nicht mehr so leicht ist eine lebenslange Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Trotzdem ein sehr schönes Land, was unter der Flaggentheorie noch nützlich werden kann.

 

Anmerkung von Christoph: Ich habe die Panama-Cedula bereits seit 2016. Wir haben die Änderungen am Friendly Nations Visum bereits im Juni 2020 breit auf unseren Kanälen geteilt. Über 50 Personen haben sich in den letzten 3 Monaten noch eine last Minute Cedula über unsere Anwälte gesichert.

Wer unbedingt in Panama leben möchte, kann dies übrigens auch weiterhin ohn 200.000 USD Vermögen zu tun. Die Möglichkeit einer (Schein)-Anstellung ist etwa jedem zugänglich, erfordert aber dann einen Mindestaufenthalt. Unsere Anwälte helfen gern bei dieser und anderen Möglichkeiten.

 

Ein letztes Mal Bürokratie (hoffentlich)

Danach stießen wir durch Zufall auf Paraguay und es schien perfekt zu sein. Schnell fanden wir einen Auswanderungshelfer und machten uns daran, die notwendigen Dokumente zu besorgen. Als erstes beantragten wir unsere internationale Geburtsurkunde, die wir, sobald sie bei uns eingetrudelt war, gleich weiter mit dem Antrag zur Apostillierung an die Regierung von Mittelfranken schickten. Ebenfalls beantragten wir unser internationales Führungszeugnis mit Apostille bei unserer Kommune. Zudem musste ich mein Masterzeugnis mit einer Apostille versehen lassen, denn durch den Nachweis meines akademischen Grades, musste ich keine Einlage in Höhe von ca. 4000 €, umgerechnet 31 Millionen Guarani, zahlen. Mein Freund hingegen musste die 31 Millionen Guarani (ja, ich war eine kurze Zeit mit einem Millionär zusammen) nach Paraguay mitnehmen und sie dort auf eine Bank einzahlen, um zu beweisen, dass er liquide ist. Die nach aktuellen Wechselkurs 4.562 € erhält man jedoch am Ende des Prozesses zurück. Insgesamt beliefen sich die Kosten für die Dokumente und die Apostille auf circa. 100 €. 

Nach weiteren Recherchen und mehrfach dummen Entscheidung von Politikern ging dann alles relativ schnell. Wir sind auf Paraguay gestoßen, ein sehr ruhiges und schönes Land mit sehr netten Leuten. Wir haben uns einen Kontakt in Paraguay besorgt, der mit uns den Prozess zum Erhalt der lebenslangen Aufenthaltsgenehmigung durchläuft. Es gibt einige vertrauenswürdige Anlaufstellen (z. B. ParaguayProfis), welche einem bei dem Prozess zur Seite stehen. In Deutschland haben wir uns alle notwendigen Dokumente besorgt. 

Zusätzlich habe ich noch etwa 4500 €, umgerechnet 31 Millionen Guarani (Ja, so leicht wird man Millionär) besorgen müssen, die man in Paraguay auf ein Konto legen muss, um zu beweisen, dass man liquide ist. Es reicht, wenn man das Geld in Euro mit nach Paraguay nimmt, dazu später mehr. Das Geld kann wieder, nachdem der Prozess der Aufenthaltsgenehmigung abgeschlossen ist, abgeholt werden. 

 

Anmerkung von Christoph: Seit Anfang 2022 erkennt Deutschland Paraguay im Rahmen der Apostille an. Die langwierige Legalisierung von Dokumenten bei den Paraguay-Botschaften in Deutschland entfällt damit. Es ist die Rede davon, dass Paraguay für diese Anerkennung die mittlerweile wieder aufgehobene Covid-Impfpflicht bei Einreise für Touristen eingeführt hat. Ob es so einen Kuhhandel wirklich gegeben hat wird man nie offiziell hören – aber die zeitliche Nähe ist sehr auffällig, zumal kurz vorher diverse Reportagen über die „Querdenker“ in Paraguay kamen.

 

Nächster Halt Asunción 

Dann hieß es abwarten, bis die Unterlagen vollständig waren. Sobald wir alles zusammen hatten, buchten wir uns sofort einen Flug nach Asunción, der Hauptstadt von Paraguay, denn das Führungszeugnis durfte bei Antragsstellung der dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung nicht älter als drei Monate alt sein (Anmerkung: dies wurde mittlerweile auf 6 Monate verlängert)

In Asunción angekommen, wurden wir am Flughafen, wie zuvor mit Markus, unserem Einwanderungshelfer, besprochen, von einem seiner Mitarbeiter empfangen. Lediglich durch einen Zettel mit unseren Namen darauf erkannten wir ihn. Er begrüßte uns, jedoch verstanden wir kaum ein Wort, weil er kein Englisch sprach und wir gerade erst angefangen hatten Spanisch zu lernen. Obwohl wir uns sicher waren, dass er der Richtige war, hatten wir trotzdem ein unwohles Gefühl, all unsere Unterlagen einem wildfremden Mann, den wir nicht verstehen konnten, zu übergeben. Er schoss noch ein paar verschwommene Bilder mit seiner Handykamera von uns vor einer nicht mehr ganz so weißen Wand, bevor wir wieder getrennte Wege gingen.

Nach ungefähr 1,5 Monaten waren alle Dokumente da, und wir beschlossen direkt einen Flug zu buchen. Im Juni 2022 sind wir dann zum ersten Mal nach Paraguay geflogen. In Paraguay angekommen, wurden wir am Flughafen nach 20 h Flug empfangen. Wie ausgemacht haben wir einem Mitarbeiter unseres Einwanderungshelfers unsere persönlichsten Dokumente, die es überhaupt gibt, in die Hand gedrückt. Ja, zugegebenermaßen ist es schon ein seltsames Gefühl, aber der nichts wagt, der nichts gewinnt. Die 4 Tage, welche die Auswanderungshelfer als Vorbereitungszeit brauchten, waren wir in Asunción in einem Hostel untergebracht. 

 

Anmerkung von Christoph: Es gibt eine Reihe deutsch-sprachiger Einwanderungshelfer, die alle einen guten Job machen und sich preislich wenig nehmen. Unser üblicher Kontakt, mit dem ich in und seit 2017 selbst gearbeitet habe, nimmt gegenwärtig 1700€ für den kompletten Prozess. Er kann auch bei Dingen wie Verbrauchsrechnungen, Paraguay-Einbürgerung, Cooperatives (Banken) und vielen mehr helfen. Gern stellen wir kostenlos den Kontakt her

 

In einem Tag zur dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung 

Voller Aufregung standen wir mit 7.000 € im Gepäck (4.000 € Einlage und jeweils 1.500 € für die Dienstleistung unseres Einwanderungshelfers) am vierten Tag nach unserer Ankunft vor unserem Hostel und warteten auf Manfredo, ein Mitarbeiter von Markus, der uns abholte. Freundlich begrüßte Manfredo uns auf Deutsch und als wir in das Auto einstiegen, lernten wir auch gleich noch ein österreichisches Pärchen kennen, das sich auch die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung an diesem Tag holen wollte. 

Unser erster Stopp war die Direccón General de Migraciones. Dort trafen wir noch weitere 14 Deutsche, darunter zwei Familien und ein Bundespolizist, die das Gleiche wie wir wollten – die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und damit auch Freiheit und eine Art Absicherung (denn wer weiß schon, was in Deutschland – Inflation, Corona-Maßnahmen, Ukraine-Krieg etc. – noch alles auf uns zukommt?). Zunächst wurden unsere Dokumente notariell beglaubigt, worunter wir auch unsere Unterschriften setzen mussten. Zudem prüfte der Notar mit unserem Reisepass, ob wir das auch wirklich waren.

Der Einwanderungshelfer kostet pro Kopf 1500 €, wenn man nur einmal nach Paraguay fliegen will. Wer vor Ort ist oder sowieso öfter reist oder in Südamerika ist, der kann das ganze auch für 1200 € haben, wo er dann zweimal nach Paraguay fliegen muss, um ein zweites Mal Fingerabdrücke abzugeben. Für 1800 € bekommt man den Expresspass, welcher nach einem Monat fertig ist. Das Geld für den Auswanderungshelfer wird am Ende des Tages der Beantragung überreicht, also nachdem alles abgeschlossen ist. 

 

Anmerkung von Christoph: Man ist gut beraten tatsächlich genügend Bargeld einzuführen. Ich hatte daran auch wegen vorheriger Reise in Südamerika damals nicht gedacht. Und eine an sich gute Lösung wie Western Union (man kann sich auch selbst Geld schicken) kam mir nicht in den Sinn. Ich nutzte alle meine 4 damals aktiven Kreditkarten um über 4 Tage das lokale Limit auszuschöpfen. Das waren täglich 8 recht kostspielige Transaktionen. Denn damals lag das ATM-Limit bei 120€ pro Auszahlung und man konnte dies pro Karte maximal 2 mal am Tag machen. Am Ende bekam ich von einem lokalen Freund zum Glück den letzten Tausender vorgestreckt um meine Abreise nicht zu gefährden.

 

Wo Bestechung zum Alltag gehört

Währenddessen schlenderte ein Polizist in das Gebäude und verschwand in ein heruntergekommenes Hinterzimmer. Nachdem von allen 18 Auswanderer die Dokumente notariell beglaubigt wurden, taten wir es dem Polizisten gleich und folgten ihn in das Hinterzimmer. Dort stellten wir uns in eine Schlange an und von jedem wurden zweimal alle Fingerabdrücke genommen und Fotos vor einer grauen, verputzen Wand gemacht. Markus erklärte uns, dass wir eigentlich zweimal nach Paraguay einreisen müssten, aber er den Polizisten ein kleines “Trinkgeld” dafür gibt, dass er jetzt schon zweimal die Fingerabdrücke von uns nimmt und diese zu einem späteren Zeitpunkt sozusagen einreicht.

Neben den Polizisten haben noch andere sich ein bisschen Extra-Geld hinzuverdient. So müsste man eigentlich einen Gesundheitstest (z.B. HIV-Test) und ein psychologisches Gutachten machen. Um ehrlich zu sein, war es für uns schon ungewohnt zu sehen, wie offen dort mit Bestechung umgegangen wird. Wir hatten aber natürlich nichts dagegen, denn nüchtern betrachtet haben in diesem Fall alle davon profitiert. Das Verfahren war für uns leichter und schneller und die Menschen vor Ort konnten sich etwas dazuverdienen. 

 

Anmerkung von Christoph: Selbstverständlich empfehlen wir keine Korruption, auch wenn sie für beide Seiten in der Tat oft vorteilhaft ist. Unser vertrauter Einwanderungshelfer verzichtet komplett auf Gefälligkeiten, auch wenn es dan manchmal etwas länger dauert. Langfristig fällt einem das aber weniger auf die Füße. Für meine eigene Cedula musste ich damals ganze 9 Monate warten. Aber macht ja nichts, wenn man dort eh nicht leben will (und falls doch könnte man trotzdem da bleiben)

Geldwechsel wie die Mafia in der Tiefgarage

Danach folgten wir Markus in eine Tiefgarage, wo ein schwarzer VAN mit verdunkelten Scheiben und laufenden Motor auf uns wartete. Hier werden jetzt gleich um die 90.000 € in Guarani gewechselt. Jeder musste einzeln auf die Rücksitzbank des VANs einsteigen. Vorne saßen zwei etwas kräftigere Männer und neben mir Manfredo, der alles übersetzte. Markus hatte zuvor die einzelnen Wechselstuben unter einander bieten lassen und der, der nun den besten Wechselkurs geboten hatte, konnte nun dieses Geschäft abwickeln. Eine Geldzählmaschine befand sich zwischen den zwei Vordersitzen und ich gab einen der zwei Männer die 1.500 €. Danach holte dieser aus einem Rucksack, der bis oben hin mit Geldscheinen gefüllt war, die Guarani-Scheine und ließ sie durch die Geldzählmaschine durchlaufen. Ich fühlte mich wie in einem Film. Über 10 Millionen Guarani bekam ich zurück. 

Man steigt in den VAN sagt wie viel man gewechselt haben will und dann steht in der Mitte eine Geldzählmaschine. Man kommt sich wirklich vor, wie in einem Film. Dennoch ist einer der Einwanderungshelfer immer dabei und erklärt einem auch alles!

 

Anmerkung von Christoph: Es gibt durchaus unkompliziertere Einwanderungsverfahren weltweit. Paraguay ist aber ein nicht allzu lästiges Abenteuer, was man mal erlebt haben sollte. Eigentlich muss man nicht viel machen außer nett zu lächeln, hin und wieder zu unterschreiben und zumindest physisch anwesend zu sein. Weder Spanisch- noch Englisch-Kenntnisse sind erforderlich, erstere können aber für positive Reaktionen der Behörden sorgen.

 

Die letzten Schritte zur Freiheit

Nachdem jeder sein Geld gewechselt hatte und innerhalb von 5 Minuten zum Millionär wurde, gingen wir zur Bank. Diejenigen, die keinen akademischen Grad hatten, mussten jetzt hier die Einzahlung tätigen. Im Anschluss fuhren wir direkt zur Polizeistelle. Dort wurden noch einmal Fingerabdrücke von uns genommen und ein Passbild geschossen. Das war dann auch nach circa 10 Stunden die letzte Station. Innerhalb eines Tages hatten wir alle Behördengänge hinter uns gebracht und nun hieß es, abwarten, Tee trinken und in 6 Monaten sollten wir unsere dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten.

Geld wechseln, dann zur Bank, das Geld einzahlen, nochmal auf einer Polizeistation Fingerabdrücke abgeben und dann hat man den Tag auch eigentlich schon fast geschafft. Nachdem man dann als Letztes den Einwanderungshelfer bezahlt hat, bekommt man eine Bestätigung, dass man die Cedula beantragt hat und das wars. Je nachdem welches Verfahren man gewählt hat, ist die Aufenthaltsgenehmigung zwischen einem und sechs Monaten da.

 

Anmerkung von Christoph: Die recht neue Express-Beantragung ist tatsächlich nützlich. Wer weiß denn schon wann der Dritte Weltkrieg ausbricht?

Die Option des akademischen Abschlusses ist uns bekannt, wird aber selten empfohlen, da die Bankeinlage deutlich unkomplizierter ist als die Übersetzung, Beglaubigung und Apostillierung von Hochschuldokumenten. 4500€ kann fast jeder noch zusammen kratzen, zumal man das Geld nach wenigen Monaten wieder hat.

 

Aktueller Stand und weiteres Vorhaben

Viele würden jetzt sagen: “Ihr wart ja aber nur einmal dort, warum dann gleich eine lebenslange Aufenthaltsgenehmigung, ihr wisst doch nicht mal, ob es euch dort gefällt?” Diese Frage oder besser gesagt Aussage haben wir oft zu hören bekommen. Dabei geht es nicht darum, unser restliches Leben in Paraguay zu verbringen, sondern viel mehr einen Safe-Spot zu haben, falls irgendetwas passiert. Wir sind genauso flexibel wie ein PT und benutzen die Flaggentheorie, um unsere Vorteile auf der ganzen Welt ausschöpfen zu können. Die Beantragung der Cedula war ein erster wichtiger Schritt, mit dem eigentlich nur Vorteile einhergehen. Die einzige “Auflage” ist, dass man alle 10 Jahre mal in das Land schauen muss, aber das sollte auf jeden Fall machbar sein. 

Gut, und wie geht es weiter? Mit der Cedula im Gepäck haben wir deutlich mehr Chancen und Möglichkeiten, zum Beispiel dürfen wir uns in allen Mercosur Staaten aufhalten und haben dort dann sogar eine Arbeitsgenehmigung. Zu den Mercosur Staaten gehören: Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Ende Oktober soll unsere Reise des Lebens dann starten, wir melden uns hier in Deutschland mit allen dazugehörigen Formalitäten ab und dann geht es raus in die Welt. Mit eines unserer nächsten wichtigen großen Ziele ist es, eine Firma anzumelden, mit der wir unser Geld verdienen können. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.

Anmerkung von Christoph: Dieser Mythos hält sich seit Jahren und wurde hier exemplarisch stehen gelassen um es zu verdeutlichen, ist leider aber nicht korrekt. Der einzige Reisevorteil durch die Cedula ist es nicht mehr gestempelt zu werden bei Grenzübertritten im Mercosur-Raum. Man hat aber genau die gleichen Einreisebedingungen und -fristen seiner Staatsbürgerschaft und auch keine automatische Aufenthaltserlaubnis. Eine Niederlassungsfreiheit ähnlich der EU gibt es nur für geborene Mercosur-Staatsbürger. Selbst eingebürgerte Paraguayer müssen noch 5 Jahre warten ehe sie von der Niederlassungsfreiheit partizipieren können.

Allerdings kann es passieren dass manch Grenzbeamter dich über die Cedula fälschlicherweise als Staatsbürger identifiziert, vor allem wenn du gut Spanisch sprichst. So war ich schon mal einige Tage als Paraguayer im chilenischen System.

 

Wie viele (Deutsche) gehen denn nun nach Paraguay? 

Da mit uns noch weitere 16 Deutsche und Österreicher an diesem Tag sich die Aufenthaltsgenehmigung holten, fragten wir uns, wie viele Deutsche denn in Paraguay tatsächlich leben bzw. dorthin auswandern. Wir fanden folgendes heraus: Im Jahr 2021 sind fast 1.300 Deutsche nach Paraguay ausgewandert, wovon 305 wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.  Zwischen 2012 und 2021 sind 4.657 Deutsche nach Paraguay gegangen und 3.471 zurückgekommen. Zwischen 5 und 7 % der 7 Millionen Menschen, die in Paraguay leben, sind deutscher Herkunft bzw. deren Nachkommen. Wie viele Deutschsprachige (Deutsche, Österreicher, Schweizer) dort wohnen, kann nicht genau gesagt werden. Die Schätzungen liegen zwischen 60.000 und 170.000. 

Anmerkung von Christoph: es ist davon auszugehen dass dies stark unterschätzt ist, da nur korrekte Angaben bei der Abmeldung in die Statistik einfließen und diese oft nicht geschehen. Ferner werden vermutlich hier nicht die Permanent Residencies per se erfasst, sondern nur tatsächliche langfristige Einwanderungen nach Paraguay. Viele wählen die Cedula aber ja als Scheinwohnsitz für Compliance oder zur Krisenvorsorge.

 

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Staatenlos.ch kann dir natürlich auch bei der Beantragung der Cedula behilflich sein. Paraguay gehört zu den nachgefragtesten dauerhaften Aufenthaltsgenehmigungen und ist für jeden eine gute Investition. All zu lange sollte man freilich aber nicht mehr warten um nicht ein ähnliches Schicksal wie in Panama zu erleiden. Es ist aktuell die Rede die 10-jährige Einreisefrist zur Beibehaltung der Permanent Residence auf 3 Jahre zu verkürzen. Selbst das ändert wenig an der Attraktivität Paraguays als Plan B – aber wer weiß wann in Paraguay plötzlich 400.000€ einzuzahlen sind?

 

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