Wer an Steueroptimierung in Europa denkt, blickt meist nach Zypern, Malta oder in den sonnigen Süden. Doch eines der aggressivsten und attraktivsten Steuersysteme liegt direkt vor der deutschen Haustür: Polen.
Die Polen, die klauen doch nur, ist ein typisches deutsches Stereotyp, enthält aber ein Fünkchen Wahrheit: zumindest dein Geld wird Dir in Polen deutlich weniger geklaut. Auch sonst ist Deutschlands östlicher Nachbar weiterhin stark unterschätzt, obwohl es Deutschland mittlerweile reihenweise überholt.
In den letzten Jahren hat Polen sein Steuerrecht radikal umgebaut und sich heimlich, still und leise zu einem echten Magneten für digitale Nomaden, IT-Freelancer, E-Commerce-Brands und vermögende Investoren (HNWIs) entwickelt.
Wer bereit ist, seinen Lebensmittelpunkt zu verlagern – oder clevere Grenzgänger-Strukturen nutzt –, findet hier Regime, die in der EU ihresgleichen suchen. Vergiss das deutsche Hochsteuer-Martyrium. Hier ist die schonungslose Anleitung in die polnische Steuer-Matrix und die versteckten Fördertöpfe, die dein Business skalieren lassen.
1. Das Fundament: Polens normales Steuersystem vs. Deutschland
Bevor wir zu den exotischen Pauschalregimen kommen, müssen wir die Basis verstehen. Selbst im regulären System lässt Polen Deutschland alt aussehen.
Einkommensteuer & Sozialabgaben für Angestellte
- In Deutschland kletterst Du rasant in die Progression (bis zu 42 % Spitzensteuersatz plus Reichensteuer).
- In Polen gibt es nur zwei simple Tarifstufen für reguläres Einkommen: 12 % bis 120.000 PLN (ca. 27.000 €) und 32 % auf alles darüber.
- Der Steuerfreibetrag liegt bei immerhin 30.000 PLN (ca. 6.900 €).
- Ein zusätzlicher Steuerfreibetrag von ca 19.500€ unter einem Alter von 26 Jahren für Gehaltseinkommen !!!
- Für Top-Verdiener (über 1 Mio. PLN) gibt es einen Solidaritätszuschlag von 4 %.
- Bei den Sozialabgaben (ZUS) punktet Polen ebenfalls: Während in Deutschland Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen rund 40 % des Bruttogehalts abführen (je ca. 20 %), sind die polnischen Rentenbeiträge bei etwa dem 30-fachen des nationalen Durchschnittsgehalts absolut gedeckelt.
- Die Krankenversicherung liegt bei 9 % (linear), ist aber bei Sonderregimen (wie Ryczałt) stark limitiert.
🚀 ZUS-Boost 2026: Warum Neugründer in Polen profitieren
| Der unschlagbare Start |
| Wer eine JDG (Einzelunternehmen) neu gründet, zahlt dank der „Ulga na Start“ in den ersten 6 Monaten faktisch 0 PLN Renten- und Sozialbeiträge. Du zahlst lediglich die Krankenversicherung. Danach folgen weitere 24 Monate stark reduzierte Sätze („Mały ZUS“). Beim Ryczałt (Pauschalsteuer) profitierst Du zudem von fixen Krankenversicherungs-Stufen statt teurer Prozent-Abgaben vom Gewinn. |
Monatliche Fixkosten 2026 (nach den ersten 6 Monaten):
| Jahresumsatz | Krankenversicherung | Sozialbeiträge (Mały ZUS)* | Gesamt (ca.) |
| bis 60k PLN | 498 PLN | ~480 PLN | ~978 PLN |
| 60k – 300k PLN | 831 PLN | ~480 PLN | ~1.311 PLN |
| über 300k PLN | 1.495 PLN | ~480 PLN | ~1.975 PLN |
* Nach Ablauf der ersten 6 Monate (Ulga na Start) für weitere 24 Monate gültig.
Der Skalierungs-Effekt: Während Selbstständige in Deutschland bis zu ~950 € Krankenversicherung (plus Rente) zahlen, ist die Belastung in Polen beim Ryczałt ab 300.000 PLN Umsatz (ca. 70.000 €) nach oben gedeckelt. Jeder weitere Euro Umsatz ist komplett beitragsfrei.
(Hinweis: Diese Zahlen basieren auf den Prognosen für 2026. Falls dein Business bereits etabliert ist – über 30 Monate am Markt –, steigen die Sozialbeiträge auf den Regelsatz von ca. 1.927 PLN; die Krankenversicherungs-Vorteile des Ryczałt bleiben jedoch identisch.)
Kapitalerträge & Krypto: Die normale Besteuerung
- Die „Belka-Steuer“ (Kapitalerträge): Auf Dividenden, Zinsen und Aktiengewinne zahlst Du in Polen regulär eine Flat-Tax von 19 %. (Vergleich Deutschland: 25 % Abgeltungsteuer + Soli + ggf. Kirchensteuer).
- Kryptowährungen: Polen ist extrem krypto-freundlich. Krypto-zu-Krypto-Trades sind komplett steuerfrei. Erst wenn Du Krypto in Fiatgeld (Euro/PLN) tauschst oder damit Dienstleistungen kaufst, fallen pauschal 19 % an. Aber warum überhaupt 19 % zahlen, wenn man das System optimieren kann?
2. Das Ryczałt-Regime: Der Cheat-Code für Freelancer
Du bist IT-ler, Consultant, Marketer oder im Baugewerbe tätig? Dann ist das Ryczałt-Regime (Pauschalsteuer) dein Ticket zu einer Steuerlast, von der man in Deutschland nur träumen kann.
Anstatt einer komplizierten Einnahmen-Überschuss-Rechnung besteuert das Ryczałt-Modell ausschließlich deinen Bruttoumsatz. Das bedeutet für dich: „Lazy-Accounting“. Du führst lediglich eine simple Umsatzliste, was die Buchhaltung extrem günstig macht (oft nur 40–60 € im Monat). Betriebsausgaben kannst Du zwar nicht absetzen, dafür sind die Steuerstätze absurd niedrig. Nutzen kannst Du dies bis zu hohen umgerechnet 2 Millionen € Bruttoumsatz!
| Steuersatz | Branche / Tätigkeit |
| 3 % | Handel und Verkauf |
| 5,5 % | Bauleistungen, Fertigung und Handwerk |
| 8,5 % | Allgemeine Dienstleistungen (Education, Vermietungen, VAs, Marketing etc.) |
| 12 % | Softwareentwickler, IT-Dienstleister und Programmierer |
| 14 % | Architekten, Ingenieure und medizinisches Personal |
Der Joker: Die gedeckelte Krankenkasse (ZUS)
Im polnischen Ryczałt-System richtet sich die Krankenversicherung nach drei starren Umsatz-Schwellen. Selbst wenn Du 500.000 € im Jahr verdienst, landest Du in der höchsten Stufe und zahlst 2026 nur maximal ca. 350 € pro Monat für die volle staatliche Gesundheitsversorgung. Zum Vergleich: In Deutschland wärst Du hier längst am Höchstsatz von fast 1.000 €.
| ⚠️ Wohnsitz-Pflicht: Das Ryczałt-Regime kannst Du nicht als Grenzgänger aus Deutschland heraus nutzen! Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) weist das Besteuerungsrecht für Einzelunternehmer dem Wohnsitzstaat zu. Für die Ryczałt-Steuer musst Du deinen Lebensmittelpunkt zwingend nach Polen verlegen. Das heißt nicht zwingend mehr als ein halbes Jahr in Polen zu leben, auf jeden Fall aber weniger als ein halbes Jahr in Deutschland und anderen Ländern. |
3. Die IP Box: 5 % für Software-Entwickler und Innovatoren
| Wichtig: IP Box ≠ Ryczałt |
| Die IP Box ist ein eigenständiges Steuerregime und kann nicht mit dem Ryczałt kombiniert werden. Während das Ryczałt den Bruttoumsatz pauschal besteuert, setzt die IP Box auf dem regulären Steuersystem auf (Skala podatkowa oder Podatek liniowy 19 %) und gewährt einen reduzierten Steuersatz von nur 5 % auf qualifizierte IP-Einkünfte. Du musst dich also entscheiden: Ryczałt ODER IP Box. |
Für alle, die Software entwickeln oder echte Innovationen schaffen, ist die IP Box ein massiver Hebel. Der Steuersatz von 5 % greift für Gewinne aus qualifiziertem geistigen Eigentum – vorausgesetzt, Du erfüllst die Bedingungen:
Checkliste für die 5 % IP Box:
- F&E-Tätigkeit: Du betreibst nachweislich Forschung und Entwicklung (z. B. Softwareprogrammierung, Algorithmenentwicklung).
- Qualifiziertes IP: Du schaffst ein urheberrechtlich geschütztes Werk (Software, Patente, Gebrauchsmuster).
- Vollständige Buchführung: Du benötigst eine vollständige Einnahmen-Überschuss-Rechnung (nicht nur eine Umsatzliste wie beim Ryczałt). Die Kosten und Einnahmen für das IP-Projekt werden separat dokumentiert.
- Nexus-Ratio: Die 5 % gelten für den Teil des Gewinns, den Du durch deine eigene Entwicklungsarbeit generierst. Zugekaufte IP-Leistungen reduzieren die begünstigte Basis.
Wann lohnt sich was? Wenn Du als IT-Freelancer hohe Umsätze bei geringen Betriebsausgaben fährst, ist das Ryczałt mit 12 % auf den Umsatz oft günstiger. Hast Du jedoch signifikante Betriebsausgaben (Hardware, Subunternehmer, Lizenzen) und entwickelst eigenes IP, kann die IP Box mit effektiv 5 % auf den Gewinn deutlich attraktiver sein. Zudem kannst Du die Steuerlast noch weiter senken mit anderen Research & Development Boni im polnischen System. Lass deinen Steuerberater deshalb die Modellrechnung machen. Vor allem bei sehr hohen Umsätzen kann die IP-Box spannend sein, da es KEIN Umsatz- oder Gewinnlimit wie bei Ryczalt gibt.
| ⚠️ Auch für die IP Box gilt: Du benötigst einen polnischen Steuerwohnsitz, wenn Du als Einzelunternehmer (JDG) agierst. Die Grenzgänger-Option funktioniert hier ebenfalls nicht, es sei denn Du wendest die IP-Box auf Kapitalgesellschaften an. Bei entsprechender, ausreichender Substanz kann dies gerade bei Überschreiten der 2 Millionen Umsatz-Grenze für die reduzierten 9% Körperschaftssteuer Sinn ergeben. Und ungleich dem im nächsten Kapitel erläuterten „estnischen Modell“ kann eine solche IP-BOX-Kapitalgesellschaft auch von deutschen Holding-Gmbhs gehalten werden. Du schüttest mit 5% dann steuerfrei in deine vermögensverwaltende Gmbh, Genossenschaft oder Stiftung aus. Für Software-Startups, die skalieren wollen, ist Warschau also wesentlich interessanter als Berlin! |
4. Das Estnische Modell (0 % CIT): Die Grenzgänger-Strategie
Was aber, wenn Du deinen Wohnsitz in Deutschland (z. B. in Berlin, Sachsen oder Brandenburg) vorerst behalten willst? Dann kommt die polnische GmbH (Sp. z o.o.) ins Spiel. Polen bietet für kleine Kapitalgesellschaften (Umsatz bis 2 Mio. €) regulär 9 % Körperschaftsteuer (CIT). Wer jedoch das „Estnische Modell“ wählt, zahlt exakt 0 % Körperschaftsteuer, solange die Gewinne im Unternehmen verbleiben (Thesaurierung). Bei Ausschüttung sind es letztendlich inkl. Unternehmens- und Gesellschafterebene 20–25 %.
Das Setup & die Betriebsstätten-Falle
- Du wohnst in Deutschland und gründest eine polnische Sp. z o.o.
- Die gestaffelte Substanz-Bedingung: Das Estnische Modell fordert eine schrittweise Aufstockung der Belegschaft. Ab dem 1. Steuerjahr im Regime benötigst Du mindestens 1 Vollzeitmitarbeiter in Polen, ab dem 2. Jahr mindestens 2 und ab dem 3. Jahr mindestens 3 Vollzeitkräfte. (Alternativ sind auch gleichwertige Auftragnehmerverträge möglich, sofern die Mindestausgaben für Vergütungen erreicht werden.)
- Ort der Geschäftsleitung: Der „place of effective management“ darf nicht an deinem Küchentisch in Deutschland liegen, sonst entsteht dort eine Betriebsstätte. Du pendelst also physisch ins polnische Büro oder setzt einen echten lokalen Geschäftsführer ein.
- Passive Einkünfte: Maximal 50 % der Einkünfte dürfen aus passiven Quellen stammen (Zinsen, Urheberrechtslizenzgebühren, Kredite etc.).
- Holding-Strukturen: Wenn eine deutsche GmbH oder AG Anteile an der polnischen Firma hält, ist die Nutzung gesetzlich ausgeschlossen.
- Komplexe Strukturen: Die polnische Gesellschaft darf selbst keine Anteile an anderen Unternehmen halten.
- Ausnahmen: Finanzdienstleister und Unternehmen in Sonderwirtschaftszonen sind ausgeschlossen.
Die bittere Pille: Die Ausschüttung nach Deutschland
Das Estnische Modell ist genial zum Vermögensaufbau. Doch willst Du das Geld privat nach Deutschland holen, schnappt die Falle zu:
- Nachgelagerte CIT: Die polnische Firma zahlt bei Ausschüttung die aufgeschobene Steuer (effektiv 10 % für Kleinunternehmen).
- Quellensteuer: Polen erhebt 19 % Quellensteuer. Durch das DBA reduziert sich der Satz auf 5 % bei einer Beteiligung ≥ 10 % am Kapital, bzw. 15 % in allen anderen Fällen (Art. 10 DBA DE-PL).
- Abgeltungsteuer: Deutschland verlangt 25 % (+ Soli), wobei die polnische Quellensteuer angerechnet werden kann.
- Ergebnis: Fließt das Geld nach Deutschland, bist Du schnell wieder bei einer Gesamtsteuerlast von ca. 35 bis 40 %.
Das Estnische Modell ist also eine gewaltige Waffe für die steuerfreie Firmen-Kriegskasse, aber kein Vehikel für den schnellen privaten Konsum in Deutschland. Hier bist Du spezifisch als Software-Unternehmer der 5% IP-Box ohne Umsatzlimit noch am besten dran. Auch die 9% bis 2 Millionen € Umsatz lassen sich mit vermögensverwaltenden Holdings kombinieren und ermöglichen eine quellensteuerfreie Ausschüttung an die deutsche Mutter.
🚨 Achtung Grenzgänger: Die deutschen CFC-Regeln (§§ 7–14 AStG)
| Hinzurechnungsbesteuerung – der Elefant im Raum |
| Wer als in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtiger eine polnische Sp. z o.o. mit Estnischem CIT kontrolliert, muss die deutschen CFC-Regeln (Controlled Foreign Corporation) auf dem Radar haben. Das deutsche Finanzamt kann unter bestimmten Voraussetzungen die thesaurierten Gewinne der polnischen Gesellschaft Dir persönlich zurechnen – als hättest Du sie ausgeschüttet bekommen. Lese dazu auch unseren jüngsten Artikel zum Thema Substanzaufbau. |
So funktioniert die Falle:
- Beherrschung: Du hältst (allein oder mit nahestehenden Personen) mehr als 50 % an der polnischen Gesellschaft? Dann giltst Du als „beherrschend“ im Sinne des AStG.
- Niedrigbesteuerung: Liegt die effektive Steuerbelastung der ausländischen Gesellschaft unter 25 % (was beim Estnischen Modell mit 0 % auf thesaurierte Gewinne zweifellos der Fall ist), greift grundsätzlich die Hinzurechnungsbesteuerung.
- Passive vs. aktive Einkünfte: Die Zurechnung betrifft primär passive Einkünfte (Zinsen, Lizenzen, Dividenden). Aktive Einkünfte (operatives Geschäft mit echten Kunden, realer Wertschöpfung und Substanz vor Ort) können unter bestimmten Bedingungen verschont bleiben.
- EU-Escape: Da Polen EU-Mitglied ist, kannst Du dich auf die sogenannte Substanzausnahme berufen (§ 8 Abs. 2 AStG). Dafür musst Du nachweisen, dass die polnische Gesellschaft eine tatsächliche wirtschaftliche Tätigkeit ausübt: eigenes Büro, eigene Mitarbeiter, eigene Geschäftsentscheidungen vor Ort. Eine reine Briefkastenfirma fällt hier durch.
| 💡 Praxis-Tipp: Wenn Du die Sp. z o.o. mit Estnischem CIT aus Deutschland heraus steuerst, musst Du von Anfang an eine lückenlose Substanz-Dokumentation aufbauen: Mietvertrag, Arbeitsverträge, Protokolle der Gesellschafterversammlungen auf Polnisch, lokale Bankkonten mit tatsächlichem Zahlungsverkehr. Plane ein jährliches CFC-Gutachten durch deinen Steuerberater ein – die Beweislast liegt bei Dir. Dank der noch bestehenden EU-Mitgliedschaft können Dir die Finanzbehörden aber nicht per se Steuerhinterziehung unterstellen, sondern müssen ein solides Setup in der Regel zähneknirschend anerkennen. |
5. Die Polnische Familienstiftung: Der steuerfreie Tresor (0 % in, 15 % out)
Eingeführt im Jahr 2023, ist die polnische Familienstiftung (Fundacja Rodzinna) das bestgehütete Geheimnis im europäischen Wealth Management. Wer Kapitalerträge steuerfrei reinvestieren will, findet hier sein Paradies.
Das Prinzip: Du überträgst dein privates Vermögen in die Stiftung. Diese ist komplett von der Körperschaftsteuer (0 %) befreit, solange sie ausschließlich „erlaubte Aktivitäten“ gemäß Art. 5 des Stiftungsgesetzes ausübt:
- Holding-Aktivitäten (Empfang von Dividenden und Beteiligungserträgen).
- Handel mit Wertpapieren (Aktien, Anleihen, Fondsanteile, ETFs).
- Vermietung und Verpachtung von Immobilien und anderen Vermögenswerten.
- Landwirtschaftliche Tätigkeit im Rahmen der Stiftungszwecke.
| Krypto in der Stiftung – Präzisierung |
| Die gesetzliche Liste der erlaubten Aktivitäten ist abschließend. Direkter Spot-Handel mit Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum etc.) ist dort nicht ausdrücklich aufgeführt und daher rechtlich umstritten. Was hingegen funktioniert: Der Handel mit Krypto-ETFs, Krypto-ETNs und börsengelisteten Krypto-Produkten, da diese als Wertpapiere qualifizieren und unter die erlaubte Kategorie fallen. Wer Krypto-Exposure in der Stiftung will, sollte also den Weg über regulierte Finanzprodukte gehen. |
Dein Zinseszins arbeitet hier zu 100 % für dich. Erst wenn die Stiftung Geld an Begünstigte ausschüttet, fällt eine pauschale Steuer von lediglich 15 % an (bei polnischen Wohnsitz). Die Stiftungs-Nutzung mit Begünstigten im Ausland ist möglich, verkompliziert aber den Sachverhalt.
Die Stiftung im Fadenkreuz: Deutschland (§ 15 AStG) vs. Liechtenstein
- Das deutsche Finanzamt bekämpft ausländische Stiftungen mit der Zurechnungsbesteuerung (§ 15 AStG) und will die Gewinne bei Dir privat versteuern.
- Der Fluchtweg (EU-Privileg): Da Polen in der EU ist, kannst Du dich auf die EU-Befreiung (§ 15 Abs. 6 AStG) berufen. Du musst nachweisen, dass Du keinerlei rechtliche Verfügungsmacht mehr über das Vermögen hast. Die Stiftung muss als echte Ermessensstiftung (Discretionary Foundation) mit einem unabhängigen, polnischen Stiftungsrat gebaut werden.
- Der Vergleich mit Liechtenstein: Liechtenstein kostet im Setup schnell 15.000 bis 30.000 CHF und erlaubt unter der günstigen PVS-Struktur (1.800 CHF pauschal) keinen aktiven Handel. Polen ist im Aufbau ein Bruchteil so teuer und bietet 0 % auf Wertpapier-Trading innerhalb der Stiftung.
6. Der HNWI-Hack: Polnische Pauschalsteuer + Spende (Non-Dom)
Für auswanderungswillige Multimillionäre, denen die italienische Flat-Tax (200.000 €) zu teuer ist, hat Polen ein elitäres HNWI-Regime für vorerst max. 10 Jahre geschaffen.
- Das Modell (Fixsteuer): Du zahlst einen absoluten Fixbetrag von 200.000 PLN (ca. 46.000 €) pro Jahr. Damit sind sämtliche ausländischen Einkünfte – Trading-Gewinne, Krypto-Cash-outs, ausländische Dividenden – in Polen steuerfrei abgegolten!
- Die Spende (Der Clou): Zusätzlich bist Du verpflichtet, jedes Jahr mindestens 100.000 PLN (ca. 23.000 €) für gemeinnützige Zwecke in Polen zu spenden.
- Zugangsvoraussetzung: Du musst in mindestens 5 der letzten 6 Steuerjahre keinen polnischen Steuerwohnsitz gehabt haben. Das Regime richtet sich also gezielt an Neuzuzügler.
Für rund 69.000 € im Jahr (Steuer + Spende) kaufst Du Dir völlige Steuerfreiheit auf dein weltweites, passives Einkommen.
⚠️ CFC-Falle: Auch unter dem HNWI-Regime werden Briefkastenfirmen ohne Substanz durch Polens eigene CFC-Regeln besteuert. Ungleich der Schweizer Aufwandsbesteuerung besteht aber kein generelles Arbeitsverbot. Du kannst zudem die anderen beschriebenen Möglichkeiten innerhalb des polnischen Systems mit dem HNWI-Status kombinieren. So zahlst Du als IT-Unternehmer etwa nur 5% IP-Box oder nutzt das Ryczalt-Regime im Inland während Du aus deinen ausländischen Firmen nach Zahlung der Pauschalsteuer und Spenden entsprechend steuerfreie Dividenden erhältst. Wichtig ist nur dass Du nicht selber Geschäftsführer dieser Auslandsfirmen bist. Polen ist für aktive Unternehmer damit das wesentlich geeignetere Nachbarland als die Schweiz. Wenn man nach 10 Jahren HNWI in Polen dann nicht mehr arbeiten möchte ist die Schweiz aber das perfekte nächste Ziel.
7. Der Wachstums-Turbo: Fördermittel, Sonderwirtschaftszonen & Bonität
Steuern sparen ist die eine Seite der Medaille. Doch Polen ist aktuell der mit Abstand größte Nettoempfänger von EU-Geldern. Der Staat (und die EU) überhäuft ausländische Gründer und Investoren förmlich mit Kapital, wenn sie sich im Land niederlassen.
A. PSI-Sonderwirtschaftszonen (Polska Strefa Inwestycji)
Früher gab es in Polen isolierte Sonderwirtschaftszonen. Heute ist ganz Polen eine potenzielle Sonderwirtschaftszone – inkl. ein paar lokalen Sahnehäubchen! Wenn Du ein neues Investitionsprojekt startest, kannst Du eine flächendeckende Steuerbefreiung (CIT oder PIT) für 10 bis 15 Jahre erhalten. Die Höhe der Freistellung richtet sich nach der Region und Größe deines Unternehmens.
Hier einige Beispiele aus geförderten Regionen:
- Befreiung von der Körperschaftsteuer (CIT): Der größte Hebel. Unternehmen können sich die Steuer so lange sparen, bis die Ersparnis einen gewissen Prozentsatz der Investitionskosten (oft zwischen 25 % und 50 %, bei KMU sogar bis zu 70 %) erreicht hat.
- Befreiung von der Grundsteuer: Viele Gemeinden innerhalb dieser Zonen bieten einen kompletten Erlass der lokalen Grundsteuer für mehrere Jahre an, was die laufenden Fixkosten für große Produktionshallen massiv senkt.
- Direkte Investitionszuschüsse: Neben Steuervorteilen gibt es oft Zugang zu staatlichen oder EU-geförderten Cash-Grants für neue Arbeitsplätze oder Forschungsprojekte, die direkt die Liquidität des Unternehmens erhöhen.
B. Massive Fördermittel (Zuschüsse & Grants)
Polen verteilt Milliarden aus vier Haupttöpfen (EU-Strukturfonds, NCBR/PARP, Regionalfonds, PFR). Es gibt Zuschüsse, die Du nicht zurückzahlen musst:
| Business-Typ | Förderprogramm | Mögliches Volumen |
| AI / SaaS Startup | NCBR Ścieżka SMART | bis 20 Mio. PLN |
| E-Commerce (mit Lagerhaltung) | PARP Digitalisierung | bis 500.000 PLN |
| Gaming Studio | PARP Innowacje Cyfrowe | bis 500.000 PLN |
| IT-Beratung (remote) | FEPW Digitale Dienste | bis 200.000 Euro |
| Fintech-Startup | PFR Ventures | bis 5 Mio. PLN |
| Online-Bildung / EdTech | EFS+ | bis zu 100 % Förderung |
Egal ob Du eine Sprachschule gründest, Industrieroboter anschaffst oder im Bereich E-Mobilität skalierst – es gibt fast immer ein passendes EU-Förderprogramm.
C. Blitz-Aufbau deiner Kreditwürdigkeit
Auswanderer haben oft das Problem, dass sie im neuen Land keine Bonität besitzen (kein Schufa-Äquivalent) und somit von Banken abgelehnt werden. Eine clevere Strukturierung in Polen ermöglicht es Dir, bereits nach 12 Monaten (in Ausnahmen 3 Monate) eine volle Kreditwürdigkeit im polnischen BIK-System aufzubauen. Damit erhältst Du schnellen Zugang zu lokalen Hypotheken, Immobilienfinanzierungen und Investitionskrediten für dein Business.
| Bereit für den Sprung über die Grenze? |
| Wir haben in Polen ein hochkarätiges Team aus Steuerberatern, Fördermittel-Experten und Anwälten für dich vor Ort. |